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Europäische Alternativen: Was geht tatsächlich und wo liegen die Grenzen?

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Redaktion
Europäische Alternativen: Was geht tatsächlich und wo liegen die Grenzen?
von Kevin Kozuszek
Microsoft passt Windows 11 an neue EU-Gesetze an


Aktuell muss man nicht lange danach suchen, ob Regierungen aus diversen Ländern in Europa wieder über digitale Souveränität diskutieren und die Abhängigkeit besonders von den USA deutlich verringen wollen. Gerade die erratischen Handlungen der amtierenden US-Regierung sorgen auch bei manchem Privatnutzer mittlerweile zusätzlich dafür, dass der direkte Kontakt mit Microsoft, Google oder Amazon nicht unbedingt größer sein sollte, als er tatsächlich sein muss. Die Frage ist: Was können europäische Alternativen tatsächlich leisten, ohne dass man unnötige Abstriche machen muss?

Genau das schauen wir uns in dieser Anleitung einmal genauer an. Vorab sei gesagt, dass ich hier keine „perfekten“ Lösungen anbieten kann, aber ich werde den Fokus bewusst allgemein auf europäische Lösungen richten, um den möglichen Spielraum so groß wie möglich zu halten. Außerdem sollen das Vorschläge sein, die ihr möglichst kurzfristig aucb in euer eigenes Setup übernehmen könnt, um eure Daten „nach Hause“ zu holen. Die Anleitung wird bei Bedarf weiter aktualisiert, eine wirklich vollständige Übersicht kann ich verständlicherweise aufgrund der Masse leider nicht geben.

Internet

Eine der größten Sorgen dürfte für viele Nutzer der Webbrowser sein, wo an vorderster Front weiterhin die US-Größen mit Vertretern wie Firefox, Chrome, Edge und Safari dominieren. Gleichwohl haben wir in Europa einige Optionen, wobei Opera aufgrund seiner chinesischen Besitzer fast schon wieder rausfällt. Wenn es ein Vertreter auf Chromium-Basis sein soll, dürften Vivaldi (Island, Norwegen) und Ecosia (Deutschland) die wahrscheinlich besten Alternativen sein. Bevorzugt ihr lieber Gecko, wären Waterfox (Großbritannien) und Mullvad Browser (Schweden) wohl die ersten Anlaufstellen. Daneben gibt es einige weitere Vertreter wie Qutebrowser aus der Schweiz, diese sprechen teils aber wirklich besondere Zielgruppen an.

Auch bei den Webdiensten kann man einiges rausholen. Bei den Suchmaschinen kommt es auf den jeweiligen Index an. Bevorzugt ihr den von Google, wäre Startpage (Niederlande) das Mittel der Wahl, während bei Bing mit Ecosia (Deutschland) und Qwant (Frankreich) zwei Alternativen in Betracht kommen. Bei den Kartendiensten steht HERE WeGo, welches auch der Windows-Karten-App zugrunde lag und mittlerweile von einem Konsortium europäischer Autobauer betrieben wird, als PWA weiter zur Verfügung.

Dünner sieht es bei den Zahlungsdienstleistern aus, wo wir mit Wero letztlich nur eine Alternative zu PayPal haben. Auch bei den KI-Assistenten gibt es mit Le Chat von Mistral AI (Frankreich) nur einen wirklichen Leuchtturm, der unter Windows ebenfalls als PWA daher kommt.

Produktivität

Das ist ein Bereich, wo die Europäer ganz besonders stark sind. Größere Sammlungen an Werkzeugen wird man vor allem bei Proton (Schweiz) und Zenkit (Deutschland) finden, aber auch in einzelnen Bereichen gibt es nennenswerte Vertreter. Bei den Office-Suiten gibt es neben LibreOffice (Deutschland, die TDF sitzt in Berlin) mit SoftMaker Office (Deutschland) aus Nürnberg sowie OnlyOffice (Lettland) herausragende Vertreter. Ebenfalls aus Deutschland kommen nennenswerte Vertreter aus den Bereichen Aufgabenlisten mit Zenkit To Do und Superlist sowie Übersetzungen und Grammatik mit LanguageTool und DeepL.

Bei den Cloudanbietern gibt es neben Proton mit pCloud einen weiteren Anbieter aus der Schweiz. Möchtet ihr in Deutschland bleiben, wären TeamDrive, MagentaCLOUD oder Hetzner Storage Share auf Basis von NextCloud einige Möglichkeiten. Müsst ihr öfter mit PDFs arbeiten, wären FlexiPDF (Deutschland) als Betrachter sowie PDFsam (Italien) und PDF Shaper (Spanien) als kleinere Werkzeuge eine Option. Bei den Passwortmanagern dürfte die beste Option weiterhin bei den einzelnen Derivaten von KeePass liegen, wobei KeePassXC (Deutschland) der aktuell modernste Vertreter hiervon ist.

Generell gibt es für Unternehmen etwa mit OpenDesk und Open-Xchange aus Deutschland nochmal eigene weitere Angebote.

Kommunikation

Dieser Bereich ist ein eher schwieriges Umfeld, wo es aber durchaus Möglichkeiten gibt. Beim Thema E-Mail gibt es mit eM Client (Tschechien) und Betterbird (Deutschland) zwei nennenswerte Alternativen, während es bei den Mailanbietern neben bekannten Vertretern wie T-Online und Proton auch gezielte Anbieter wie Posteo und Tutanota aus Deutschland gibt. Bei den Messengern sind die Möglichkeiten mittlerweile im Wesentlichen auf die Schweizer Vertreter Threema und Wire zusammengeschmolzen. Für Freunde der Fernwartung existiert TeamViewer aus Deutschland weiterhin, ebenso Mastodon als soziales Netzwerk.

Multimedia

In diesem Bereich ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Für die Gamer dürfte neben Ubisoft Connect (Frankreich) vor allem GOG (Polen) die erste Anlaufstelle sein, wobei ich hier aufgrund technischer Mängel bei GOG Galaxy eher zu Heroic als Client raten würde. Bei den Streamingdiensten gibt es neben Branchenprimus Spotify (Schweden) mit Deezer (Frankreich) einen weiteren erwähnenswerten Vertreter, während es im größeren Umfang auch weitere Anbieter wie etwa RTL+ oder SoundCloud aus Deutschland gibt.

Wer mit Bildern arbeitet, muss gewisse Kompromisse machen. Während es bei den einfachen Werkzeugen mit Vertretern wie XnView (Frankreich), IrfanView (Österreich) oder Nomacs (Österreich) keinen Mangel gibt, führt bei der Bearbeitung neben kleineren Vertretern wie RapidRAW (Schweiz) vor allem an Affinity (Großbritannien) kein Weg vorbei, auch wenn diese mittlerweile zum australischen Unternehmen Canva gehören. Auch beim Audio- und Videoschnitt ist es nicht ganz so rosig, wo jemand wie Magix aus Deutschland weiterhin seinen Einfluss haben dürfte.

Zumindest bei den kleinen Werkzeugen gibt es dann wieder etwas Entlastung. Müsst ihr nochmal etwas brennen, wäre Burnaware (Spanien) eine Möglichkeit, und auch bei den Medienwerkzeugen gibt es mit Leuten wie VLC (Frankreich), MusicBee (Großbritannien) oder MP3tag (Deutschland) gute Möglichkeiten.

Entwicklung

Arbeitet man in der Softwareentwicklung, haben die Europäer hier zwei besondere Schwergewichte auf die Weltbühne gebracht. Einerseits bietet JetBrains aus Tschechien diverse Entwicklungsumgebungen für verschiedene Sprachen wie Java, C#, Kotlin, Rust, C++, Ruby, JavaScript, TypeScript, SQL, Go, PHP und Python an, zum anderen hat die Qt Group aus Finnland eines der wichtigsten Toolkits für C++ auf dem Markt, welches auch Anbindungen an andere Sprachen bietet.

Übersichtlicher wird es bei den kleineren Werkzeugen, wo es nur wenige nennenswerte Vertreter gibt. Einer davon wäre Tower, ein Git-Client aus Deutschland.

Betriebssysteme (für den großen Bruch)

Wer sich gleich vollständig von US-Betriebssystemen lossagen möchte, kommt auf europäischer Ebene nicht an Linux vorbei, wo dafür aber auch gerade aus Deutschland viele bekannte Gesichter zur Verfügung stehen. Eine Auswahl:

  • Deutschland: Garuda Linux (Arch), CachyOS (Arch), Siduction (Debian), openSUSE, Tuxedo OS (Ubuntu), Manjaro (Arch), Neptune OS (Debian), Bluestar Linux (Arch)
  • Niederlande: EndeavourOS (Arch), KaOS
  • Irland: Linux Mint (Debian/Ubuntu), Zorin OS (Ubuntu), Solus
  • Polen: SparkyLinux (Debian)
  • Griechenland: MX Linux (Debian), antiX (Debian)
  • Frankreich: Mageia, Lubuntu (Ubuntu), OpenMandriva Lx
  • Großbritannien: Peppermint OS (Debian)
  • Spanien: Void Linux
  • Norwegen: Alpine Linux

Bei den mobilen Betriebssystemen sieht es schwieriger aus. Grundsätzlich gibt es mit Sailfish OS von Jolla aus Finnland ein völlig unabhängiges Betriebssystem, welches allerdings kaum verbreitet ist. Größere Chancen dürfte man mit /e/ OS aus Frankreich haben, die als Android-Distribution von Mandriva-Schöpfer Gael Duval aus der Taufe gehoben wurde und mit microG auch eine quelloffene Reimplementierung der Google Play Services unterstützt. Interessierte können unter dem Label Murena auch bereits aufbereitete Smartphones direkt beim Hersteller kaufen, wenn sie es testen wollen.

Schlusswort

Seht es mir bitte nach, dass ich hier unmöglich wirklich jeden einzelnen Bereich abdecken kann und auch nicht jedes einzelne Stück Software erwähnen kann, wo gerade viele kleinere Werkzeuge wie PeaZip aus Italien ebenfalls eine Erwähnung wert wären. Mir ging es vor allem darum, überhaupt mal etwas Licht ins Dickicht zu bringen, was auf europäischer Ebene überhaupt grundsätzlich möglich wäre und ob man jede existierende Abhängigkeit von den US-Anbietern wirklich braucht. Dass man nicht überall sofort wechseln kann oder möchte, versteht sich von selbst.

Wenn ihr weitere Anmerkungen habt, bin ich gerne bereit, die Anleitung weiter zu aktualisieren. Für den Moment kann ich euch aber hoffentlich eine erste Orientierung bieten, wenn ihr wegen den aktuellen Entwicklungen eure Schäfchen ins Trockene holen wollt.

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Artikel im Blog lesen
 
Du verweist auf Opera, wo auch die Chinesen mit im Boot sitzen und auf Ubisoft (Ubisofts Schwierigkeiten will ich hier mal unerwaehnt lassen) ohne Tencent zu erwaehnen.
 
@Gianno Stimmt, weil es hier zumindest nach meinen Informationen einen kleinen Unterschied gibt. Tencent ist bei Ubisoft nur Shareholder und hat Geld für ein neues Tochterunternehmen vorgestreckt, in das wichtige Franchises wie Assassin's Creed und Far Cry ausgegliedert wurden. Ubisoft selbst ist meines Wissens nach aber grundsätzlich weiter unabhängig und so voll handlungsfähig.

Das ist Opera aber nicht, die gehören tatsächlich mindestens noch einem chinesischen Unternehmen mit Beijing Kunlun Tech, wo sie zentral in deren Strategie eingebettet sind. Ob auch AV-Spezialist Qihoo 360 weiterhin Miteigentümer von Opera ist, weiß ich nicht. Eigentlich wollten sie aussteigen und Opera deren Anteile zurückkaufen, aber ob das wirklich passiert ist, konnte ich nie abschließend recherchieren.
 
Oder du machst es wie Mike Kuketz mit seiner Empfehlungsecke.
Mal schauen, was ich mit @Martin da absprechen kann. Aufgrund der momentanen Lage dürfte eine solche Übersicht jedenfalls auf wachsendes Interesse stoßen, nur ob ich wirklich jedes kleine Programm gerade im FOSS-Bereich finde, weiß ich noch nicht. Liegt einfach daran, dass die Leute hier echt emsig und fleißig sind und hier wirklich etliche neue Programme rauskommen. Die Vorstellungen aus unserem Showroom wie SimpleJournal oder Auto Dark Mode müssen da fairerweise ja auch mit rein.
 
@Timewalker Danke, füge ich nachher noch ein. Wie gesagt, ich kann in einem Beitrag unmöglich alle Optionen auflisten. Vielleicht muss ich mal schauen, dass wir irgendwo hier im Forum nochmal einen Übersichtsthread erstellen. :)
Ist schon klar. Das ist eine Sisyphusarbeit. Auf Mailbox.org kam ich, weil Mailbox.org und posteo.de vor ein paar Jahren zusammen Testsieger bei Stiftung Warentest waren.
 
Das größere Problem als die europäischen Alternativen ist der ungebildete Durchschnittsuser. Viele User können einfach nicht ihr Vorgehen bei Software A auf Software B übertragen. Teilweise muss man noch leichte Anpassungen bzw. leichte Änderungen im Workflow in Kauf nehmen, aber das war es dann eigentlich auch schon. Diese Transferleistung bekommen die meisten Nutzer aber nicht hin. Sie haben sich ihre Abläufe wie eine Chereografie einstudiert ohne zu verstehen, was sie da eigentlich machen. Und genau das ist das Hauptprobleme und einer der Gründe weswegen Open Source in der Verwaltung gescheitert ist. Und solange das so ist, brauchen die großen Tech-Unternehmen nicht ein bisschen an ihrer Vorgehensweise ändern.
 
Ich finde Sailfish OS spannend. Meine Frau (sie kommt ais Finnland) hat sich jetzt das neue Jollaphone vorbestellt. Da sie noch nie etwas anderes als Android genutzt hat, hab ich erstmal ein altes Smartphone mit Sailfish OS bei Kleinanzeigen besorgt, damit sie schauen kann ob das wirklich praxistauglich ist.
 
@Shrike In einem Punkt kann ich zumindest aber anmerken, dass ihr ein bisschen vorsichtig sein müsst. Sailfish OS verwendet für den Browser und angeschlossene Geschichten die Gecko-Plattform von Mozilla, aber auf einer relativ alten Basis. Die aktuelle Version 5.0 von Sailfish OS bringt hier die Basis von Firefox 91.0 ESR mit, was dem Softwarestand von 2021 entspricht.


Das ist im Grunde der zentrale Punkt, der mir bei Jolla sauer aufstößt. Mozilla investiert selbst momentan ziemlich viel in Europa, was KI und die Infrastruktur für Abodienste betrifft (alles in Deutschland), hier hätte es Jolla gut zu Gesicht gestanden, direkt mit Mozilla zu kooperieren, damit sie schneller auf die aktuellste ESR-Version 140.0 kommen...
 
@Shrike In einem Punkt kann ich zumindest aber anmerken, dass ihr ein bisschen vorsichtig sein müsst. Sailfish OS verwendet für den Browser und angeschlossene Geschichten die Gecko-Plattform von Mozilla, aber auf einer relativ alten Basis. Die aktuelle Version 5.0 von Sailfish OS bringt hier die Basis von Firefox 91.0 ESR mit, was dem Softwarestand von 2021 entspricht.


Das ist im Grunde der zentrale Punkt, der mir bei Jolla sauer aufstößt. Mozilla investiert selbst momentan ziemlich viel in Europa, was KI und die Infrastruktur für Abodienste betrifft (alles in Deutschland), hier hätte es Jolla gut zu Gesicht gestanden, direkt mit Mozilla zu kooperieren, damit sie schneller auf die aktuellste ESR-Version 140.0 kommen...
Das hab ich mitbekommen. Bin extra dem Forum beigetreten. Es gibt Android App Support, der wohl recht gut funktioniert. Wenn das gut funktioniert, findet man dort sicher entsprechende Apps. Zumindest erstmal, bis Jolla da nachlegt.
Wie gesagt, ich teste erstmal, um zu sehen ob es Sinn macht.
 
@Mamagotchi
Grundsätzlich möchte ich mich zu Linux bewegen. Also wird einige Software nicht mehr funktionieren.
Das Problem ist, dass alternative Software gewisse Dinge nicht kann oder ganz anders macht.
Ich bin vor einem Jahr von Outlook zu Betterbird gewechselt, aber trauere Outlook immer noch nach, weil gewisse Dinge dort einfacher waren.
Ich kann mich nicht mit GIMP als Ersatz für PhotoImpact X3 anfreunden, auch PaintShop Pro konnte mich nicht überzeugen, mehrfach probiert. Die PI-Trickkiste ist offenbar einzigartig in ihrer Form. Alt, nur 32 bit, aber bewährt.

Mit Office mache ich kaum was, daher ist LibreOffice grundsätzlich kein Problem, aber ich habe eine Excel-Tabelle mit einer intelligenten Tabelle (oder so ähnlich), wenn ich die in LibreOffice oder OnlyOffice öffne, sind die Bestandsdaten drin, aber ich kann es nicht aktualisieren, habe den Trick noch nicht gefunden.

Leichter ist es, wenn eine Software unter verschiedenen OS läuft, z. B. Betterbird oder LibreOffice, als hoffe ich, dass diverse Firmen mal aufwachen und ihre Software auf Linux portieren.

Zorin wird damit, Windows-Software einfach installieren zu können, im Falle von PhotoImpact stimmt das sogar.
Nützt aber nicht, wenn es dann kommentarlos nicht startet ...

Es gibt Portale, die einem sagen, ob eine Software in Wine läuft oder welche Software B als Alternative zu Software A existiert, da w

Fortsetzung:
... da werden Sachen empfohlen, die nicht zusammenpassen, so im Sinne von Paint als Ersatz für PhotoShop.

Oder Finanzsoftware von Buhl wird als wenig Wine-geeignet gelistet, etc.

Für meinen Teil kann ich sagen, seit einem Jahr komme ich mir vor wie Don Quixote beim Kampf gegen Windmühlen ...
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Bei den Suchmaschinen würde ich auch Metager mit einschließen. Nutze ich hauptsächlich, neben Startpage.
Dort wird derzeit auch an einer neuen Suchmaschine gearbeitet die auf dem europäische Suchindex aufbaut.
 
@Shrike Mal eine persönliche Frage, weil mich das interessiert: Metager ist ja in der aktuellen Form eine Metasuchmaschine, wo ich selbst bisher immer noch eher Searx im Auge hatte. Wie gut sind bei Metager eigentlich die allgemeinen Suchergebnisse und lässt sich Metager auch in die Suchmaschinen im Browser integrieren? Da wurde ich nie ganz schlau draus, ob Metager den OpenSearch-Standard unterstützt.
 
Auf dem Smartphone hab ich sie im Vivaldi als Benutzerdefinierte Suchmaschine eingefügt und dann zur Standard Suche gemacht. Im Ironfox auch erst, dann hab ich aber auf die Firefox Erweiterung gewechselt. Im Microsoft Edge auf dem Notebook meiner Frau ist auch die Erweiterung installiert, aber dort sucht sie selten. Sie nutzt Vivaldi mit Startpage.
 
Ich experimentiere gerade mit mehr digitaler Souveränität. Hier ein paar Aspekte.

Vorweg eine praktikable Lösung:
- EU-Provider für E-Mail, Kontakte, Kalender und Tasks
z.B. mailbox, Posteo, IONOS
- PCs mit Linux Mint
- Cloud-Speicher Ende-zu-Ende verschlüsselt bei Tresorit
- Pixel Handys mit GrapheneOS (Android)
Via Sandboxed Google Play lassen sich die meisten Apps ohne Tracking und mit minimalen Berechtigungen nutzen.
- Thunderbird als Personal Information Manager für E-Mail, Kontakte, Kalender und Tasks
- LibreOffice für Office Apps
- Brave als Webbrowser
- Joplin für Notizen

Browser + Suchmaschine wechseln ist einfach, wenn man mit den neuen Suchergebnissen zufrieden ist. z.B ist Brave eine gute Alternative oder, wenn's wirklich anonym sein soll, Tails (von einem USB-Stick gestartetes Linux mit Tor).

Von Windows auf Linux Mint wechseln ist einfach. Mint ist auch für nicht technikaffine Nutzer gut benutzbar und sogar leichter zu installieren als Windows. Aber nur tastaturneutrale Passwörter verwenden (kein y, z oder Sonderzeichen wie "-"), weil Mint sich in Passwortdialogen nicht immer an die Tastatureinstellung hält! Dual-Boot Installation mit LUKS Datenträgerverschlüsselung (und die sollte jeder nutzen) ist aber komplex.

Auf EU-Provider für Mail, Kontakte, Kalender und Tasks wechseln kann einfach oder komplex sein. Die Migrations-Assistenten unterstützen z.B. MS 365 als Quell-Provider nicht und man muss Quell- und Ziel-Provider in Thunderbird oder Outolook (classid) einbinden und dann mit Ctrl-A + "Copy to..." die Mails kopieren (hat bei mir mit 70T Mails in meiner Inbox funktioniert), oder einem 3rd Party Tool vertrauen. Mit einer Custom-Domain ist der Wechsel einerseits einfacher, weil sich die Mail-Adressen nicht ändern, aber die Anpassung von DNS Records ist komplex, wenn Domain- und Mail-Hoster unterschiedlich sind.
Hier bieten sich mailbox und Posteo an. Proton sehe ich eher kritisch: vor meinem Ruhestand experimentierte ich mit S/MIME Mail-Verschlüsselung - aber keiner meiner Bekannten und Geschäftspartner wollte sowas nutzen. Und Mail-Inhalte lassen sich zwar verschlüsseln, die Adressaten aber nicht, und allein mit dieser Info (Metadaten) lassen sich Kommunikationsnetzwerke rekonstruieren.

Wechsel auf Ende-zu-Ende verschlüsselten Cloud-Speicher (und nur in solchen gehören persönliche oder sicherheitskritische Daten) ist z.B. mit Tresorit einfach. E2E-verschlüsselter Cloud-Speicher taugt aber nur für persönlichen Einsatz. Bei Organisationen müssen die Daten auf dem Server entschlüsselt werden können, z.B. zum Indexieren fürs Suchen, oder für Zusammenarbeit an Daten - hierzu gibt es Lösungen wie Nextcloud.

LibreOffice ist eine gute Alternative zu MS Office, aber ich bin mit Office deutlich produktiver.

Thunderbird ist eine gute Alternative zu MS Outlook classic - aber mich nervt dessen Suche und der Dark Mode ist unfertig. Das neue Outlook ist nicht nur unfertig, sondern leitet sogar 3rd Party Mails über MS Server und speichert dort deren Zugangsdaten. Auszug aus der OWA Datenschutzerklärung: "We and our 940 partners process data to: store and/or access information on your device,..."

Wero ist aktuell noch keine Alternative zu PayPal oder Kreditkarten(Wallets), weil es noch kaum für Online-Zahlungen akzeptiert wird. Hier bin ich aber guter Hoffnung.

Handys:

Für nicht technikaffine sind vermutlich iPhones am besten. Mit dem Apple Ökosystem kenne ich mich aber nicht aus. Aber wer sich um nichts kümmern möchte, fährt mit Apple wohl besser als mit Windows plus Android – ist aber Apple völlig ausgeliefert. iPhones lassen sich nicht souveräner machen, es gibt dafür keine alternativen Betriebssysteme.

Als Alternative zu Standard-Android bietet sich GrapheneOS an. Es wäre für die meisten wohl unpraktikabel, ganz ohne (standard) Android-Apps auskommen zu wollen. Ein Zweithandy mit Standard-Android wäre für mich keine Alternative, denn ich habe als Rückfallposition für Verlust und Defekte bereits ein Ersatzhandy (insbes. für meine Reisen) und bräuchte dann 4 Handys. Aber z.B. mit GOS lässt sich mehr Privatsphäre und Sicherheit mit akzeptablen Komforteinbußen erreichen.

Mit Banking auf alternativen Androids habe ich Bauchschmerzen: Es gibt viele Hinweise, dass Banken dies als grob fahrlässig einstufen könnten, und ich erinnere mich an genau solche Texte in den AGB. Aktuell finde ich dazu aber nichts im „Kleingedruckten“ oder in Sicherheitshinweisen auf den Websites der Banken oder zu 3D Secure. Mit GOS muss das Handy nicht gerootet werden und der Bootloader lässt sich nach der Installation wieder sperren.
- Wer kein Risiko eingehen will, kann zur Freigabe von Bank-Transaktionen PCs + externe TAN Generatoren nutzen (unkomfortabler, aber am sichersten).
- NFC-Zahlungen mit dem Google Wallet funktionieren nicht - man kann auf das Curve-Wallet ausweichen oder mit physischen Karten zahlen.
- Mit sandboxed Google Play Services funktionieren sogar Benachrichtigungen (diese sind mir fürs Banking unverzichtbar).
- Sprachaktivierung der Google Assistenten (Assistant, Gemini) funktioniert nicht. Diese finde ich z.B. praktisch für Hands-free Notizen mit Google Keep.
- AusweisApp sowie eRezept und ePA scheinen auf GOS zu funktionieren.

Ironischerweise scheint die Pixel-Hardware aktuell die sicherste für souveräne Handys zu sein.
Es gibt Pixel 9a mit installiertem GOS von Nitrokey, auf Wunsch sogar ohne Kameras, Sensoren und Mikrofon.
Man muss abwägen, was ein souveräneres Handy einem persönlich real wirklich bringt, wenn man dann doch WhatsApp, Line, Viber oder Facebook nutzt, weil die Bekannten nur diese nutzen oder in Reiseländern praktisch alles darüber abgewickelt wird?

Identifizierbarkeit und Lokalisierbarkeit über Telefonnummern (für Normalnutzer kaum vermeidbar) und IP-Adressen sind von praktisch allen Staaten gewünscht, hier ist ein permanenter demokratischer Widerstand gegen überbordende staatliche Maßnahmen nötig.

Aber bei alledem nicht vergessen: Es ist nicht die Aufgabe des Einzelnen "die Welt zu retten". Jeder hat / sieht ein eigenes persönliches "Bedrohungsszenario".

Nach intensiver Auseinandersetzung mit meinen Anforderungen (Funktionalität, Komfort, altersbedingt nachlassendes Gedächtnis) und den technischen Möglichkeiten habe ich mich von Microsoft-Services getrennt, weg von MS 365, OneDrive, OneNote, To Do; Umstieg von Office-Abo auf Einmalkauf-Version und experimentiere gerade mit einer entschlackten Windows-Installation ohne MS-Accounts (mit Hilfe von MicroWin aus der Windows Toolbox von Chris Titus). Aber ich habe mich sogar noch mehr auf Google eingelassen, obwohl ich deren Geschäftsmodell und Verhalten viel schlimmer als MS bewerte. U.a weil ich es sehr hilfreich finde, wenn der Google-Assistent meine Termine und Aufgaben kennt, und das geht nur mit Google-Kalendern, und weil ich die genial produktive Web-UX von Google Tasks (inkl. der Task-Anzeige im Kalender) mag.

Bin gespannt, ob ihr andere Sichten oder Erfahrungen habt.
 
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