Home Office: Erfahrungen durch die Agoraphobie, Teil 2

DrWindows

Redaktion
Für Menschen, die sich mit psychischen oder seelischen Einschränkungen in ihrem Leben auseinander setzen müssen, stellt der Shutdown in Zeiten der Coronakrise eine ganz besondere Herausforderung dar. Das wird mir nicht nur durch die Berichterstattung in den größeren Medien in...

Klicke hier, um den Artikel zu lesen
 
Anzeige

TanteVolker

treuer Stammgast
Sehr guter und offener Einblick in die eigene Gedankenwelt, wie ich finde. Danke dafür und alles Gute in der für dich schwierigen Zeit.
 

SandyB

treuer Stammgast
Hallo Kevin,
Ich bin aufgrund meiner Tätigkeit am Rande etwas mit Inklusion in unserer Firma beschäftigt.
Häufig kommen dieser Tage Sätze wie "Ach, Corona ist für gesunde Menschen doch ungefährlich, nicht schlimmer als eine kleine Grippe. Oder: Von 100 Corona-Toten hatten 95 Vorerkrankungen, ich bin doch sportlich und gesund! etc."
Die Leute ignorieren, dass jeder morgen schon Teil der Risikogruppe sein kann. Das kann ganz schnell gehen und meistens tut's das auch!
 

build10240

gehört zum Inventar
Wie üblich mal wieder ein interessanter Artikel. Respekt dafür so offen über eine solche Krankheit zu sprechen. Auch weil in unserer Gesellschaft trotzt allseits anderslautender Beteuerungen alle Krankheiten aus dem psychischen Bereich immer noch stigmatisiert werden.

SandyB schrieb:
Häufig kommen dieser Tage Sätze wie "Ach, Corona ist für gesunde Menschen doch ungefährlich, nicht schlimmer als eine kleine Grippe. Oder: Von 100 Corona-Toten hatten 95 Vorerkrankungen, ich bin doch sportlich und gesund! etc."
Die Leute ignorieren, dass jeder morgen schon Teil der Risikogruppe sein kann.
Die ignorieren auch, daß es sich dabei eher um die Risikogruppen fürs Sterben an Covid-19 handelt. Schwere Erkrankungen treten auch außerhalb der Risikogruppen auf und das ist eher weniger spaßig. Außerdem sollten sich viele nicht zu sicher sein, denn viele der betroffenen Vorerkrankungen äußern sich kaum durch Symptome - darunter sind auch viele sich sportlich und gesund fühlende.
 

Kevin Kozuszek

Moderator
Teammitglied
... Die Leute ignorieren, dass jeder morgen schon Teil der Risikogruppe sein kann. Das kann ganz schnell gehen und meistens tut's das auch!

Diese Sätze zeugen in meinen Augen aber nicht (nur) von Ignoranz, sondern oft genug auch einfach von Dummheit. Und das Schlimme ist dann, dass sich viele Leute dann aus Skepsis gegenüber etablierten Medien vor allem über die sozialen Netzwerke informieren und dann in die Fänge von solchen Vollpfosten wie Donald Trump oder Xavier Naidoo geraten. Und dass das nach hinten los geht, dafür sind die USA das beste Beispiel: Cheffe empfiehlt Chloroquin und dann wird erstmal ordentlich Reiniger fürs Aquarium gesoffen. Bei den angeblich sarkastischen Aussagen von gestern werden sich garantiert auch wieder einige Nachahmer finden...

Wie gesagt, natürlich muss man das Virus ernst nehmen, das tue ich selbstverständlich auch, zumal ich viele Menschen kenne, die mir wichtig sind und auch zu Risikogruppen gehören. Da macht man sich automatisch auch Gedanken, was denn werden könnte. Allerdings ist es eben auch so, dass die Isolation zum Krankheitsbild der Agoraphobie, wenn sie ihre schwerste Form wie bei mir erreicht, dazu gehört, und deswegen sind die Folgen des Shutdowns für mich nichts Besonderes. Worüber sich gewisse Leute auf Kleinstdemonstrationen wegen angeblich dauerhaften Einschränkungen der Grundrechte aufregen, ist für mich seit gut 10 von den insgesamt 26 Jahren, die mich die Phobie jetzt begleitet, gelebter Alltag. Deswegen fasse ich mir da auch manches Mal an den Kopf: Sobald die Coronakrise kontrollierbar ist, können diese Leute wieder nach und nach in einen normaleren Alltag zurück. Ich habe da noch einen wesentlich längeren Weg vor mir.

Wofür ich offen gesagt auch kein Verständnis habe, ist der Sport und vor allem die Extrawürste für die Fussball-Bundesliga. Klar, ich vermisse auch sehr viel aus dem Bereich. Ich bin Fan von Aston Villa und Borussia Dortmund, ich liebe den Motorsport bei diversen Rennserien und den Motorrad-WMs, ich schaue Darts, ich schaue Snooker und noch ein bisschen was mehr. Aber das ist ein absolutes Luxusproblem. Fussball ist ein Kontaktsport, und bevor die in meinen Augen an der Reihe wären, müsste zuallererst der normale Alltag nicht gefährdet werden, und selbst dann gibt es andere Sportarten wie Darts, Snooker, Tennis, Tischtennis etc., wo Abstand halten wesentlich leichter möglich ist und bei Geisterspielen nur wenige Leute am Ort des Geschehens sein müssten.
 
Zuletzt bearbeitet:

Jack B.

nicht mehr wegzudenken
in dieser Zeit, wo so viele, wie du sagst, Vollpfosten unterwegs sind, tuen mir deine Zeilen richtig gut. Danke!
 
Oben