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Kommentar: Das neue Bing hat Killerpotential: Es tötet das freie Internet

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Redaktion
Kommentar: Das neue Bing hat Killerpotential: Es tötet das freie Internet
von Martin Geuß
Bing Logo Titelbild


Mit seinem auf ChatGPT basierenden Chat-Interface will Microsoft Bing die Internetsuche revolutionieren und aus seiner Suchmaschine eine Antwortmaschine machen. Google ist alarmiert und wird vorhersehbar mitziehen. Sollte sich diese Technologie durchsetzen, ist das freie Internet, wie wir es heute kennen, in akuter Lebensgefahr.

Wenn wir heute im Internet suchen, dann geben wir die Stichworte ein, von denen wir glauben, dass sie unsere Anfrage bestmöglich abdecken, und werfen anschließend einen Blick in die Ergebnisse. Was vielversprechend aussieht, klicken wir an und landen im Idealfall auf einer Seite, die uns die gesuchte Information kostenlos zur Verfügung stellt.

Abgesehen davon, dass es viele schwarze Schafe gibt, die nutzlose Seiten in den Ergebnissen nach oben pushen, ist das ein bewährtes Modell – und vor allen Dingen ein faires für all jene, die technische Anleitungen, Kochrezepte, Reparatur-Tipps, Reiseempfehlungen und jede Art von Wissen im Internet veröffentlichen. Sie finanzieren sich in aller Regel durch Werbung, die den Besuchern angezeigt wird, das ist für viele Seitenbetreiber ein netter Nebenverdienst und viele bestreiten sogar ihren Lebensunterhalt damit.

Das „neue Bing“ – und womöglich auch das „neue Google“ – servieren uns die gesuchten Informationen in Zukunft mundgerecht. Sie durchsuchen verschiedene Quellen und generieren daraus eine umfassende Antwort. Im Idealfall müssen wir also nicht mehr mehrere Seiten abklappern, die Recherche wird uns abgenommen.

Hier ein Beispiel für die Suche mit dem neuen Bing, der Suchbegriff ist „Bastelideen für Kinder“. Links die klassischen Suchergebnisse und rechts die vom neuen Bing aufbereitete Antwort, die aus mehreren Quellen zusammengestellt wurde.Antwort auf die Suchabfrage Zeige mir Bastelideen für ein Kind auf Bing

Lasst uns an dieser Stelle nicht über die aktuelle Qualität des Ergebnisses diskutieren, das ist nebensächlich. Die Technologie wird sich weiterentwickeln und die Antworten werden im Lauf der Zeit immer besser werden.

Aus Sicht des Nutzers ist das eine feine Sache. Für die Seiten, von denen die Informationen stammen, eine Katastrophe. Für das, was da passiert, gibt es einen Namen: Content Scraping. Jemand „klaut“ Daten von einer Webseite und vermarktet sie selbst. Das ist es, was beim „neuen Bing“ passiert.

Es gab bei der Vorstellung des neuen Bing eine Fragerunde, zwei dieser Fragen greife ich auf:

1.) Wird beim beim neuen Bing Werbung angezeigt?

Eindeutige Antwort darauf: Ja.

2.) Werden Webseiten für die Bereitstellung der Informationen entschädigt?

Antwort: Wir zeigen Links zu den Quellen an und lenken damit viel Traffic auf die zitierten Seiten.

Nun schaut Euch nochmal das Beispiel weiter oben an. Von den sechs Quellen, die hier verwendet wurden, sind nur zwei direkt zu sehen, die anderen vier sind hinter einem zusätzlichen Klick versteckt. Der Traffic, der durch diese Form der Suchergebnisse auf die verlinkten Seiten generiert wird, ist gleich Null. Warum sollte man das anklicken, wenn man den Inhalt bereits vor Augen hat?

Das ist zweifellos ein Scheinargument, denn Sinn und Zweck dieser neuen Internetsuche ist es ja, dass man gerade nicht zu einer anderen Seite wechselt, sondern auf der Seite der Suchmaschine verbleibt. Wenn man es drastisch formulieren möchte, dann geht es darum, alle freien Inhalte des Internets zu stehlen und damit selbst Geld zu verdienen.

Die Problematik wird dadurch verstärkt, dass die Seitenbetreiber keine Lobby haben, die Internetnutzer sehen nur ihren eigenen Vorteil (was legitim ist). Als Google verpflichtet wurde, für die Infoschnipsel in Google News eine Entschädigung an die Publisher zu bezahlen, war die Mehrheit auf der Seite von Google: Die Verlage sollen sich mal nicht so anstellen, sie bekommen ja massig Traffic. Dabei wissen wir von unserem eigenen Verhalten, dass uns diese Infoschnipsel oft ausreichen und wir nur bei den Themen auf die Artikel klicken, die uns wirklich interessieren. Inzwischen zahlt Google und musste entgegen seiner eigenen Behauptung den Dienst nicht einstellen, er ist immer noch profitabel.

Wenn in Zukunft Suchergebnisse grundsätzlich so aufbereitet werden wie oben rechts zu sehen, dann kann es daraus nur eine Konsequenz geben: Die Seiten, deren Informationen verarbeitet werden, müssen unmittelbar finanziell entschädigt werden. Ansonsten werden die meisten davon eingehen, und wenn keine neuen Inhalte mehr erstellt werden, dann findet auch die intelligenteste Suche nichts mehr.


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Artikel im Blog lesen
 
Wer sagt, dass man das verwenden MUSS?
Das „Mundgerechte“ einer gesammelten Essenz aus Infos kann auch schnell nach hinten losgehen. #Manipulation
 
Heißt, man wird auf Gedeih und Verderb (mit Betonung auf verdorben ) vergewaltigt ?

"Safe Mode suchen" wär doch eine Lösung ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Was natürlich auch noch ein Thema ist, ist die große Gefahr der Zensur. Das geht dann natürlich noch viel leichter.
Da empfehle ich das Video von Prof. Dr. Christian Rieck auf YouTube: Zensur durch ChatGPT: Was können wir noch sagen?

Das kann sich dann zu einer Spirale entwickeln, wenn Informationen von ChatGPT erzeugt werden, diese dann im Web weiter verteilt werden und diese dann ChatGPT irgendwann als Quelle nutzt.
 
Man braucht daraus jetzt kein Schreckenszenario machen.
Momentan gibt es für so eine Art Suche keine rechtlichen Regeln, jedoch werden diese schnell eingeklagt werden.
Die KI kann aufgefordert werden, alle Quellen zu benennen und diese entsprechend automatisch zu verrechnen.
Wie die Verrechnung dann passieren wird, muss dann noch geklärt werden.
 
ChatGPT bzw die Weiterentwicklung von KI ist der nächste Gamechanger. Wie IMMER bei diesen neuen Technologien werden die ersten Entwicklungsschritte enorm sein, da bei der Arbeit mit der Technik Erkenntnisse gewonnen werden, die dann die weitere Entwicklung beeinflussen. Die KI wird eine Revolution in so vielen Bereich anwerfen und je digitaler, je mehr.
Und wer hier von Manipulation spricht: Denk ihr wirklich das Suchmaschinen bisher nicht manipulieren können?
 
Es ist tatsächlich immer so, dass neue Technik von den einen gefeiert und von anderen verteufelt wird. Und wie immer wird die Wahrheit in der Mitte zu finden sein. Es wird Verbesserung für die Menschheit geben, aber auch durch Menschen Missbrauch geben. Pickt euch irgendwelche Beispiel heraus, früher die Einführung des Sicherheitsgurtes, (a)soziale Netzwerke, Streamingdienste, jetzt KI in Suchmaschinen.
Natürlich hat Martin grundsätzlich recht und ich hoffe auch, dass Skalar in #9 Recht hat.
 
Solange die Ergebnisse nicht gesiebt werden nach "offizielle Sprachregelung" oder "falsche Info" oder "unerwünschte Site" oder wasauchimmer wemauchimmer in den Kram passt, kann ich abwarten. Ansonsten müßte ich lernen, ziehgenau "Nein" zu sagen oder eben selber Mist ins Netz zu stellen, damit die KI genau diesen Mist findet und anzeigt.
 
Letztlich kommt es drauf an, wie tief die Details gehen, die die Suchmaschine dann direkt verrät. Im Beispiel ist jeder Teil der Antwort ja auch nur ein Anriss, wie man ihn auch in klassischen Suchergebnissen finden würde. Nur stammt die Formulierung halt nicht vom Betreiber der Webseite, sondern von der Suchmaschine. Sobald man mehr wissen will, als nur diese paar Details, muss man wie eh und je auf den Link klicken.

Ich sehe da vor allem Nachteile für die ganzen Seiten, die einfach nur Agenturmeldungen abschreiben oder das zitieren, was grad andere Seiten erwähnen. So etwas dürfte von einer "intelligenten" Suchmaschine hoffentlich ausgesiebt werden.

Und ich sehe Vorteile für die Nutzer, denn die Formulierung von Texten durch die Suchmaschine sorgt auch dafür, dass die ganzen Clickbait-Artikel irrelevant werden. Denn bei einer Analyse wird ja schnell auffallen, dass diese meist keine oder kaum wirkliche Infos bieten.

Bisher sehe ich die Sache also insgesamt eher positiv und freue mich, wenn das neue Bing (oder der neue Bing, oder wie auch immer) dann bald mal großflächiger in den Test geht.
 
Ob solche Chatbots tatsächlich die Killer des "freien Internets" sind will ich mal dahingestellt
sein lassen.Sie sind auf jeden Fall aber ein Grund die Medienkompetenz der Nutzer zu verbessern.
Denn die meisten die ChatGPT schon ausprobiert haben, haben auch schon mitgekriegt dass da
ziemlich oft purer Blödsinn, dünnes "Bla,Bla" oder Falschinformationen generiert werden.
Und ja, natürlich wird sich das noch verbessern....aber besonders wenn man weiss, das diese
Bots mitunter auch Stuss absondern, sollte man eben auch nicht alles glauben was einem da
vorgesetzt wird und ggf. eine "zweite Meinung" (=andere Suchmaschine) befragen.Das fällt unter
die Rubrik "Medienkompetenz" und für ist jeder selbst verantwortlich....und das war auch schon
vor ChatGPT oder Bard so.
 
Es geht ja auch andersherum, diese Systeme basieren darauf, immer weiterzulernen. Das gilt auch für jede gestellte (Nach-)frage. Nun könnten User versuchen der KI Unsinn beizubringen, was ja bereits bei einigen Ansätzen zur Abschaltung von Chatbots geführt hat. Vermutlich ist dieses Lernen auch der Grund für die Generierung von Naktbildern: Die User haben der KI das beigebracht, auch wenn diese Systeme das zunächst nicht konnten.

Es wird also spannend, wie sich diese aktuellen Systeme gegen die Dummheit der Menschheit bewähren.
 
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