Am Puls von Microsoft

Microsoft Copilot: Zum halben Preis in die Kostenfalle? Was die neue Strategie bedeutet

DrWindows

Redaktion
Microsoft Copilot: Zum halben Preis in die Kostenfalle? Was die neue Strategie bedeutet
von Martin Geuß
Microsoft für Business-Nutzer


Mit der neuen Copilot „Super-App“ ändert sich Microsofts KI-Strategie signifikant, und das nicht nur inhaltlich. Unternehmen müssen künftig höllisch aufpassen, um die Kosten im Griff zu behalten. Zuvor lockt Microsoft die Kundschaft aber mit hohen Rabatten von bis zu 50 Prozent.

Copilot verabschiedet sich aus dem KI-Rennen der persönlichen Chatbots​


Es ist nicht nur so, dass der „neue Copilot“, wie Microsoft ihn selbst nennt, für Privatnutzer praktisch keinerlei Relevanz mehr hat. Microsoft verabschiedet sich ganz grundsätzlich aus dem Rennen mit ChatGPT, Google Gemini, Meta Muse und wie sie alle heißen.

Charles Lamanna, seines Zeichens „Executive Vice President of Copilot“ bei Microsoft, sagte bei der Vorstellung des neuen Copilot wortwörtlich: „Wir bauen Copilot nicht wie einen persönlichen Begleiter“. Er widerspricht damit direkt dem Slogan „Dein täglicher KI-Begleiter“, mit dem Microsoft den Copilot noch vor einem Jahr beworben hatte. Nutzer erwarten von Microsoft-Tools, dass sie ihnen dabei helfen, ihre Arbeit zu erledigen, so Lamanna weiter. Genau darauf soll sich Copilot in Zukunft konzentrieren.

Jacob Andreou, der die Entwicklung der neuen Copilot-App verantwortet, spricht zwar davon, dass die bisherigen Fähigkeiten des Copilot in die neue App einfließen. Gleichzeitig sagt er aber auch, dass die Nutzer vornehmlich daran interessiert seien, die Möglichkeiten von Copilot bei ihrer täglichen Arbeit voll auszureizen.

Es liegt auf der Hand, wo Microsoft künftig investiert. Man kann Copilot zwar noch für alltägliche Fragen nutzen, die Qualität der Antworten wird aber im Lauf der Zeit noch weiter hinter jene der echten KI-Assistenten wie Gemini zurückfallen.

Hohe Rabatte sollen Großkunden anlocken​


Um die Verbreitung des Copilot zu fördern, plant Microsoft offenbar besonders großzügige Rabatte. Große Unternehmen mussten bereits in der Vergangenheit nicht den vollen Preis bezahlen. Jetzt legt man aber offenbar noch einmal nach. Unternehmen mit mehr als tausend Lizenzen erhalten einen Nachlass von 30 Prozent, Firmen mit mehr als 10.000 Nutzern zahlen gar nur noch die Hälfte des regulären Preises.

Vorsicht vor den Folgekosten​


Ich hatte es in dem Artikel über die Vorstellung der neuen Copilot-App von vergangener Woche bereits thematisiert: Microsoft druckst ganz fürchterlich herum, wenn es um die tatsächlichen Kosten für die KI-Nutzung geht.

Klar ist: Der „klassische“ Copilot-Chat ist in der fixen Monatsgebühr enthalten. Allerdings gilt hier ein „Fair Use“ Prinzip. Ob und in welchem Fall die Leistung bei intensiver Nutzung gedrosselt wird, ist bis jetzt nicht dokumentiert. Microsoft lässt sich diese Hintertür aber ausdrücklich offen.

Die Abrechnung der agentischen Fähigkeiten von Copilot, also die automatische Abarbeitung von Aufgaben, erfolgt nutzungsbasiert. Hier wird es knifflig, denn beim Start einer Aufgabe ist nicht vorab ersichtlich, wie viele Credits dafür abgerechnet werden. Hinzu kommt, dass der Copilot durch die automatische Auswahl der besten Variante quasi automatisch vom Chat in den Autopilot-Bereich der neuen App „abbiegt“.

Alle nutzungsbasiert berechneten Funktionen sind von Haus aus deaktiviert, das muss man Microsoft in diesem Fall zugutehalten. Admins können zudem einen Kostendeckel pro Nutzer und für das Unternehmen insgesamt festlegen. Dennoch dürfte es für Unternehmen künftig schwer werden, die tatsächlichen Kosten zu kalkulieren und diese vor allen Dingen dem tatsächlichen Nutzen gegenüberzustellen.

Der Beitrag Microsoft Copilot: Zum halben Preis in die Kostenfalle? Was die neue Strategie bedeutet erschien zuerst auf Dr. Windows.


Hinweis: Der Artikel wird möglicherweise nicht vollständig angezeigt, eingebettete Medien sind in dieser Vorschau beispielsweise nicht zu sehen.

Artikel im Blog lesen
 
Blöd für die Geschäftskunden, die schon Enterprise Subscriptions mit etwas über 30€ vertraglich auf ein Jahr gebunden sind. Da kommt man leider nicht raus in die günstigere Business Subscription, die etwa 10€ günstiger ist. Selbst wenn man sonst keine anderen M365 Enterprise Subscriptions und "nur" Business Subscriptions hat, geht das nicht. :mad:
 
Die besten Gründe gegen Copilot liefert Microsoft selber durch Verhalten, Beschreibungen und Preismodellen. Sie meisten Kommunikation immer besser.
 
Die besten Gründe gegen Copilot liefert Microsoft selber durch Verhalten, Beschreibungen und Preismodellen. Sie meisten Kommunikation immer besser.
Interessant dürfte jedenfalls werden, in welcher Form außeramerikanische Unternehmen ihre Risikoanalysen bei möglichen Kostensteigerungen und genereller Verfügbarkeit bei KI anpassen werden. Dass Microsoft, Google, Meta, Anthropic, OpenAI und xAI relativ bis sehr leistungsstarke KI-Modelle produzieren und die neben den chinesischen Konkurrenten die absolute Weltspitze bilden, ist sicherlich richtig.

Auf der anderen Seite sind die USA aber bei Exportkontrollen und Sanktionen unberechenbar geworden. Die Gefahr, dass ein Unternehmen in irgendeiner Form von sehr teuren US-Modellen oder anderen Leistungen abgeklemmt wird, ist nicht mehr abstrakt, sondern sehr real. Das ist nicht nur in Europa relevant. Wenn wir jetzt mal andere internationale Großkonzerne nehmen - den saudischen Öl-Konzern Aramco, den brasilianischen Flugzeughersteller Embraer, die Fluggesellschaft Emirates usw. -, dann gibt es dort genug Kandidaten, die sind nicht auf Biegen und Brechen an Washington gebunden. Denen wird ein Wechsel nach China relativ leicht fallen.

Lockangebote hin oder her. Es tut sich ja nicht nur bei den westlich geprägten Mittelmächten was, wo Europa den Schulterschluss mit Kanada, Indien, Japan und anderen Ländern sucht. Die Araber sehen gerade bei lebendigem Leib, dass die USA die Infrastruktur nicht mit schützen und Rechenzentren etwa von Amazon aufgegeben werden. Das wird Spuren hinterlassen.
 
Oben