Warum ich von OneDrive auf Dropbox umgestiegen bin

Es wurde in letzter Zeit in Beiträgen zum Thema Cloud, OneDrive oder Dropbox immer mal wieder angerissen: Ich bin von OneDrive zu Dropbox umgezogen, mit fast 400 Gigabyte im Gepäck. Und da werde ich bis auf Weiteres auch bleiben. Wenn jemand, der wie ich so tief im Microsoft-Ökosystem verwurzelt ist, so etwas tut, dann wird er natürlich gefragt: Warum hast Du das gemacht? Dieser Beitrag soll Euch die Antwort liefern.

Wo ist denn da der Unterschied? Sind es nicht beides simple Online-Festplatten? Ich könnte auf diese Frage extrem ketzerisch antworten und sagen: Ja, Dropbox ist im Prinzip das Selbe wie OneDrive – nur viel schneller und ohne andauernde Synchronisierungsfehler. Klingt ziemlich hart, aber das sind in der Tat die beiden Hauptgründe, warum aus dem „Reinschnuppern“ in Dropbox binnen kurzer Zeit eine komplette Migration wurde.

Dabei war der Auslöser im Prinzip völlig albern. Ich war wie Viele von Euch im November stocksauer, als Microsoft die Kürzungen beim OneDrive-Speicher verkündete. Dabei betrafen sie mich gar nicht. Als Office 365 Kunde bekomme ich zukünftig 1 TB gratis, 400 GB hatte ich zu diesem Zeitpunkt belegt. Ich hätte von der Kürzung also gar nichts bemerkt. Aber ich wollte sauer sein und Microsoft für diese Gemeinheit „bestrafen“. Ja, ich muss jetzt selbst drüber lachen.

Aber es war ja auch eine willkommene Gelegenheit, mal wieder über den Tellerrand zu schauen und etwas Neues auszuprobieren. Also kaufte ich den Dropbox-Speicherplan „1 Terabyte zu 9,99 Euro monatlich“.

Ein neues Performance-Erlebnis
Zuerst schichtete ich nur einen Teil meiner Dateien um, hatte dabei aber schon mein erstes Aha-Erlebnis. Die Geschwindigkeit, mit der meine Dateien in die Cloud gebeamt wurden, schien in der Tat nur durch die Upload-Bandbreite meines Internetanschlusses begrenzt. Das kennt man von OneDrive ja leider ganz anders. Und nicht nur der Upload von Dateien, auch die Synchronisation zwischen den Geräten, auf denen ich Dropbox nutzte, funktionierte rasend schnell. Lud ich eine Datei z.B. über die Dropbox App auf meinem Lumia hoch, lag sie binnen weniger Sekunden auch im lokalen Verzeichnis auf meinem PC. Die beeindruckende Performance von Dropbox ist es, die mich nach inzwischen mehr als drei Monaten jeden Tag aufs Neue begeistert.

Windows 10 Apps für Mobile und Desktop
Mit Windows 10 hat Microsoft nicht nur die Smart Files, sondern auch die OneDrive App auf dem Desktop abgeschafft. Zum Hoch- und Herunterladen von Dateien, die man nicht lokal synchronisiert, bleibt also nur der Browser. Für Dropbox dagegen gibt es eine Universal App, über die ich nicht nur auf alle Dateien zugreifen kann, ich kann sie auch einzeln offline verfügbar machen, Kommentare hinterlegen und Freigaben einrichten.
Das einzige, was in der Desktop App leider nicht perfekt funktioniert, ist das lokale Bearbeiten von Office-Dateien. Die muss man manuell runterladen, bearbeiten und dann manuell zurück speichern. Unter Windows 10 Mobile ist die Integration von Dropbox dagegen nahtlos.

Dropbox Desktop Client – clevere Features und Grüße von Live Mesh
Wer erinnert sich noch an Windows Live Mesh, den coolen Service, den Microsoft auf dem Cloud-Altar geopfert hat? Live Mesh hatte ein extrem cooles Feature: Es konnte Dateien nicht nur mit der Cloud, sondern auch im lokalen Netz synchronisieren. Klingt ja auch irgendwie logisch, eine Datei direkt von einem Raum zum anderen zu transportieren, anstatt sie vorher um die halbe Welt zu schicken, richtig?

Dropbox tut genau das. Wenn man z.B. ein neues Notebook einrichtet und Dropbox aktiviert, können die Dateien von anderen Rechnern im lokalen Netz eingesammelt werden. Welchen Unterschied das macht, wenn man mal eben 80 Gigabyte auf das neue Gerät synchronisieren möchte, könnt Ihr Euch denken.

Auch ansonsten hat der Desktop-Client ein paar clevere Funktionen wie z.B. eine Bandbreiten-Begrenzung. Und man kann – auch das ein kleiner Seitenhieb – den lokalen Dropbox-Ordner jederzeit einfach so ändern.

Im Infobereich kann man außerdem jederzeit alle aktuell ausstehenden und abgeschlossenen Aktivitäten verfolgen. Man weiß immer genau, was der Client gerade tut.

Der endgültige Killer: Zuverlässigkeit
Bis hierhin waren das allesamt nette Geschichten, die bei mir trotzdem nach wie vor die Frage offen gelassen hätten: Ist das jeden Monat zusätzlich 10 Euro wert?
Der entscheidende Punkt, warum ich bereits nach zwei Wochen Dropbox sehr sicher war, dass es kein Zurück geben wird, ist die Zuverlässigkeit.
Ich „wohne“ in der Cloud. Von lokalen Backups und meiner Filmsammlung abgesehen, lagert dort restlos alles. Jede noch so kleine und unwichtige Datei speichere ich automatisch und standardmäßig früher in OneDrive, jetzt in Dropbox. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit gegen Datenverlust und die Gewissheit, jederzeit von überall zugreifen zu können.

Unter OneDrive hatte ich oft mit Datei-Duplikaten zu kämpfen, die OneDrive bei der Synchronisation erzeugte, um nicht versehentlich wichtige Änderungen zu überschreiben. Das ist grundsätzlich ok, trat aber am häufigsten bei Dateien auf, die ich seit Wochen oder Monaten nicht mehr angefasst hatte. In schöner Regelmäßigkeit saß ich also da, und räumte die überflüssigen Duplikate wieder auf.

Bei der Arbeit mit Office-Dokumenten hatte ich oft das Problem, dass sie nicht gespeichert werden konnten oder das Abspeichern deutlich länger dauerte. Meine Lieblingsmeldung war jene, dass die Datei nicht hochgeladen werden könne, weil jemand die Serverkopie geändert habe. Wohlgemerkt bei Dateien, an denen garantiert niemand außer mir selbst arbeitete und die sich ein paar Minuten zuvor noch problemlos speichern ließen.

Um es abzukürzen: Obwohl OneDrive grundsätzlich gut funktioniere, war ich hin und wieder schrecklich genervt. Und nun ratet, wie oft ich derlei Probleme in drei Monaten intensiver Dopbox-Nutzung hatte? Richtig, nicht ein einziges Mal.

In lediglich einem Fall duplizierte Dropbox meinen gesamten „Kamera-Upload“ Folder, nachdem ich dort ein neues Unterverzeichnis angelegt und es vollständig umstrukturiert hatte, so dass keine Datei mehr an ihrem alten Platz war.

Und dann sind es noch diese Kleinigkeiten, die Vertrauen in einen Service schaffen. Einmal löschte ich absichtlich ein altes Verzeichnis mit hunderten von Dateien, die ich nicht mehr benötigte. Wenige Minuten später erhielt ich eine E-Mail von Dropbox mit dem Link zu einer Anleitung, wie ich diese Dateien problemlos wiederherstellen könne, sollte diese Löschung versehentlich erfolgt sein. Sowas mag ich.

Fazit: OneDrive für Amateure, Dropbox für Profis
All das oben erwähnte führt dazu, dass ich 10 Euro monatlich für etwas bezahle, was in meinem Office 365 Abonnement eigentlich schon enthalten ist. Schade, dass es nötig ist, aber ich tue es gerne. Die überragende Performance von Dropbox, die hohe Zuverlässigkeit und viele weitere, oben erwähnte Faktoren führen dazu, dass sich Dopbox mindestens eine Klasse besser anfühlt. Man merkt einfach, wer das professionell betreibt und wer es eher nebenher macht.

Es ist einerseits schade, denn OneDrive ist ebenfalls ein sehr cooler Service mit tollen Features. Wie so oft bei Microsoft macht es aber den Eindruck eines Werkstücks, das man in eine schöne Form gegossen, aber dann vergessen hat, es zu entgraten und auf Hochglanz zu polieren.

Wobei dieser Beitrag aber am Ende kein Rant gegen OneDrive sein soll, sondern ein Loblied auf Dropbox, weil es mir einfach so viel besser gefällt.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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