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Geschäftszahlen: Microsoft baut sich weiter erfolgreich um

Microsoft hat seinen Geschäftsbericht sowohl für das abgelaufene Quartal als auch für das am 30. Juni zu Ende gegangene Finanzjahr vorgelegt. Trotz sinkender Umsätze fallen die Zahlen besser aus als erwartet, was die Aktie spontan um vier Prozent klettern ließ. Vor allen Dingen das Cloud-Geschäft sorgt für positive Schlagzeilen, der Umsatz mit Azure und Co. hat sich verdoppelt.

Im letzten Quartal fuhr Microsoft einen Gewinn von 3,12 Milliarden Dollar ein. Ein Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum hinkt, denn da hatte man die von Nokia übernommene Geräte-Sparte abgeschrieben und daher über 6 Milliarden Dollar Verlust gemacht.

Zum ersten Mal seit sieben Jahren verzeichnet Microsoft sinkende Umsätze, die 85,32 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr bedeuten einen Rückgang um knapp neun Prozent. Auch im letzten Quartal sanken die Einnahmen um knapp sieben Prozent auf 20,61 Milliarden. Das war allerdings erwartet worden, weil im Rahmen der Verlagerung der Produkte und Dienste in die Cloud die kurzfristigen Einnahmen zunächst sinken.

Interessanter als die großen, nackten Zahlen sind natürlich die Details. Überraschend ist beispielsweise, dass der OEM-Umsatz mit Windows-Lizenzen um 27 Prozent gestiegen ist, trotz der Flaute im PC-Markt (im letzten Quartal ging es allerdings um vier Prozent nach unten). Die Surface-Sparte freut sich über neun Prozent mehr Umsatz, um den selben Wert sind die Einnahmen bei der Xbox gefallen, was Microsoft mit gesunkenen Verkaufszahlen und Preisen begründet. Gleichzeitig ist jedoch die Zahl der aktiven Xbox Live Nutzer um 33 Prozent auf jetzt 49 Millionen gestiegen – da sind aber auch viele Windows 10 Nutzer mit eingerechnet.

Die stillgelegte Phone-Sparte berichtet einen Umsatz-Rückgang von 71 Prozent. Erstaunlich, dass da noch fast ein Drittel übrig geblieben ist. Ohne Rücksicht auf die verletzten Gefühle der Fans ist auch das eine gute Nachricht für die Anlager – die Geldverbrennungsmaschine wird ausgebremst.

Nettes Detail: Als börsennotiertes Unternehmen muss Microsoft auch den theoretisch entgangenen Umsatz durch das Windows 10 Gratisupdate ausweisen. Dieser beläuft sich auf 6,6 Milliarden US-Dollar.

Bei Azure ging es um beeindruckende 102 Prozent nach oben, der Umsatz mit Office 365 Business klettert um 54 Prozent, und im Consumer-Bereich zählt man jetzt 23,1 Millionen Abonnenten von Office 365.

Wem das noch nicht genug Zahlen waren, der kann sich hier durch den kompletten Bericht arbeiten.

Wenn man sich mit der Entwicklung bei Microsoft beschäftigt, dann muss man als Endanwender immer ein wenig beiseite schieben, was man selbst cool finden würde. Der Umbau zu einem Unternehmen, dass sein Geld fast ausschließlich in der Cloud verdient, ist in vollem Gange, und die Zahlen sprechen seit einiger Zeit dafür, dass er funktioniert und Früchte trägt. Die Redmonder verdienen ihr Geld zunehmend mit Services, bei denen es letzten Endes egal ist, welches System der Nutzer verwendet. Das mag dem Windows-Fan sauer aufstoßen, ist aber genau der richtige Weg.

Den Gedanken, dass alles, was Microsoft tut, am Ende zum Erfolg von Windows beizutragen hat, muss man endgültig aus seinem Gedächtnis streichen. Das war zu den Zeiten, als das Unternehmen gefühlt ausschließlich damit sein Geld verdient hat, der richtige Weg. Jetzt gilt es, sich mit allen Produkten und Diensten, die nicht zwingend etwas mit verwendeten Betriebssystem zu tun haben, von Windows unabhängig zu machen. Windows ist ein Zugang zum Kunden, aber es darf nicht mehr der einzige sein, dafür ist die Welt zu bunt.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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