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Exklusiv: So spricht Microsoft mit Business-Kunden über Windows 10 Mobile

Seit vielen Monaten versinken die Fans von Windows 10 Mobile in Dauerdepression. Es gibt wenig Neuigkeiten, stattdessen wird endlos spekuliert, analysiert und diskutiert. Wenn es mal handfeste News gibt, dann sind es meist keine guten. Zuletzt sorgte die scheinbar offensichtliche Abspaltung der Windows 10 Mobile Entwicklung vom übrigen Windows 10 für lange Gesichter, und nicht wenige Beobachter gehen davon aus, dass dies nun das endgültige Ende einläutet, weil Microsoft nichts weiter tut, als seine Pflicht zur Systempflege zu erfüllen, bis dann endlich alle Geräte abgeschaltet wurden.

Ich habe mich an diesen Spekulationen zunächst ebenfalls beteiligt, mich dann aber entschieden, so lange nur noch das „Nötigste“ über Windows 10 Mobile zu schreiben, bis es entweder belastbare Neuigkeiten oder eben gar nichts mehr zu berichten gibt. Gleichzeitig habe ich aber so intensiv wie nie zuvor meine Quellen und Kontakte abgeklopft. Nun bin ich tatsächlich im Besitz von Informationen, die es mir erlauben, ein einigermaßen klares Bild zu zeichnen.

Bevor ich anfange, muss ich aber noch anmerken: Dieser Artikel ist spannend und langweilig zugleich. Denn sehr Vieles, was vor allen Dingen im zweiten Teil steht, wussten wir alle schon – wir wollten bzw. konnten es nur nicht glauben.

Feature 2 ist nicht das Ende
Beginnen wir mit dem vermeintlichen „Abstellgleis-Release“. Während die Insider-Versionen für Windows 10 PC inzwischen im 16.000er-Nummernkreis unterwegs sind, ist Windows 10 Mobile bei 152xx stehen geblieben und trägt die Bezeichnung „Feature 2“. Man ging bisher allgemein davon aus, dass dies die Auslauf-Version von Windows 10 Mobile ist, an der Microsoft nur noch das Nötigste tut.

Das ist nicht korrekt.

Feature 2 ist sehr wohl ein Wartungsrelease, allerdings nicht mit dem Ziel, es auslaufen zu lassen, sondern um es fit für den übernächsten Schritt zu machen. Dazu passt auch, dass es derzeit mindestens einen Hersteller gibt, der seinen Kunden und Partnern eine Roadmap zeigt, auf der Geräte stehen, die mit dem Release „nach Redstone 3“ kommen werden. Also Redstone 4 oder wie immer das dann heißen wird.

Es mag in Anbetracht der Gefühlslage beinahe absurd klingen, aber dieses ominöse „Feature 2“ ist in der Tat ein Zeichen dafür, dass es Microsoft nach wie vor sehr ernst mit Mobile meint. Der abgezweigte Entwicklungsstrang ist keine Abschiebung, sondern ein separates Projekt, an dem intensiv gearbeitet wird.

Microsoft auf Werbetour bei den Business-Kunden
Microsoft hat immer wieder gesagt, sie würden Mobile nicht aufgeben, es weiterhin unterstützen und auch weiterentwickeln. Weil das, was wir öffentlich wahrnehmen, das genaue Gegenteil davon ist, hat diese Statements aber niemand mehr geglaubt.
Auch die Fokussierung auf Business-Kunden erschien wenig glaubwürdig. Weil ich Kontakte zu diversen Unternehmen habe und mir von dort signalisiert wurde, dass sie von Microsoft auch nichts mehr hören, stellte ich im November 2016 fest: Die angebliche Business-Strategie gibt es nicht.

Genau aus diesen Kreisen habe ich nun spannende Infos erhalten. Microsoft sucht seit einigen Monaten von sich aus den Kontakt zu den Business-Kunden, um ihnen das oben erwähnte Bekenntnis näher zu bringen und ihnen glaubhaft zu vermitteln, dass die Reise weiter geht. Die Kernbotschaften, die dabei übermittelt werden, sind:

– der von HP mit dem Elite x3 begonnene Ansatz der „3in1“-Geräte wird intensiv weiter verfolgt, es wird an entsprechenden System-Verbesserungen und dazu passender Hardware gearbeitet.
– Mobile ist integraler Bestandteil der „One Windows“-Story, ganz besonders im Hinblick auf Unternehmens-Bedürfnisse wie Sicherheit, Geräte-Management, Software-Verteilung etc.
– Microsoft arbeitet weiterhin an neuer, eigener Hardware.

Mein Kontakt berichtete mir, dass auch eine Roadmap mit OEM-Geräten gezeigt wurde, konnte sich aber an die Details nicht mehr genau erinnern. Er bestätigte mir jedoch, dass sich Microsoft äußerst bemüht zeigte, jegliche Bedenken zu zerstreuen, dass im Bereich Mobile irgend etwas zu Ende sei.

Wie schon weiter oben geschrieben – im Grunde ist das alles gar nicht neu. Die Informationen, die ich hier stark komprimiert habe, sind nur eine Bestätigung dessen, was Microsoft seit Monaten behauptet. Allerdings waren diese Bekenntnisse immer nur „Fetzen“ aus Interviews, und im Kontext zum tatsächlichen Geschehen wirkten sie daher wie Lippenbekenntnisse. Ich frage mich, warum man sich nicht einfach mal hinsetzt und einen Blogpost verfasst, in dem man diese Bekenntnisse wirklich untermauert – so wie man das ja offenbar bei den Firmenkunden jetzt tut. Denn bis man die alle besucht hat, wird es sicher noch eine ganze Weile dauern.

Zu wissen, dass Microsoft tatsächlich aktiv unterwegs ist, nicht nur redet, sondern auch handelt – das ist die eigentliche Neuigkeit, die den geneigten Windows 10 Mobile Fan vielleicht wieder etwas ruhiger schlafen lässt. Nichtsdestotrotz, bei den erwähnten Unternehmens-Funktionen geht es um Dinge, die für den Consumer vollkommen irrelevant sind. Ich sammle dazu aktuell ebenfalls Infos und werde das wieder aufgreifen, sobald genug „Fleisch“ dran ist.

Um euch aber nur mal ein Beispiel zu geben, was so ein Business-Feature ist: Es gibt eine Funktion mit dem Namen „Dynamic Management“, die unter anderem eine ortsbasierte Konfiguration des Telefons erlaubt. Anwendungsbeispiel: Sobald ein Mitarbeiter mit seinem Telefon einen besonders sensiblen Bereich betritt, zum Beispiel die Forschungsabteilung, wird die Kamera deaktiviert und es ist ihm nicht möglich, Fotos zu machen.

Solche speziellen Anforderungen sind es, mit denen sich Microsoft im Business-Bereich von der Konkurrenz abheben will. Und nochmal: Ich kann nicht so recht verstehen, warum über all das nicht öffentlich gesprochen wird, denn das sind an sich keine Geheimnisse – Dynamic Management ist Teil des Creators Update. Mit ein bisschen mehr öffentlicher Kommunikation könnte man die Business-Kunden informieren, ohne sie alle besuchen zu müssen – und die Consumer wären vielleicht nicht unbedingt glücklicher, aber sie würden zumindest besser verstehen, was da aktuell vor sich geht.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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