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Prognose: Windows XP wird sich selbst überleben

Am 8. April 2014 stellt Microsoft den erweiterten Support für Windows XP endgültig ein. Das Datum fällt nicht zufällig auf einen Dienstag: am 8.4.14 ist Patchday, es werden die neuesten Sicherheitsupdates veröffentlicht – und das geschieht an diesem Termin für Windows XP zum letzten Mal.
Nur, um nochmals zu verdeutlichen, was das im Klartext heißt: Wenn jemand am 9. April 2014 die schlimmste Sicherheitslücke findet, die jemals in Windows XP entdeckt wurde, dann wird Microsoft sagen: „Jo – ist halt jetzt so…“

Wer plant, ein XP-System mit Internetzugang über dieses Datum hinaus zu betreiben, muss verrückt sein. Es wäre unverantwortlich, dies zu tun. Und dennoch wird genau das passieren. Nicht vereinzelt, sondern tausendfach, zehntausendfach, hunderttausendfach – davon kann man schon am heutigen Tag sicher ausgehen. Denn die Masse der immer noch in Betrieb befindlichen XP-Installationen ist gewaltig, und die Umstellung läuft nur sehr zäh.

Ende Dezember 2012 betrug der Marktanteil von Windows XP immer noch stolze 34,47 Prozent – nur runde 9 Prozent hat XP im gesamten letzten Jahr überhaupt verloren, wie die folgende Grafik veranschaulicht:

Läuft die Ablösung in diesem Tempo weiter, werden im April 2014 immer noch 20 Prozent übrig sein – jeder fünfte Computer! Diese Prognose ist allerdings zu düster, tatsächlich laufen in vielen Betrieben die Migrationsprojekte und der Abstieg von XP wird in diesem Jahr deutlich rasanter ablaufen – aber wer möchte heute dagegen wetten, dass am Ende trotzdem noch ein zweistelliger Prozentwert übrig bleibt?

Die eigentliche Katastrophe ist, dass die XP-Nostalgiker nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Gefahr bringen. Es ist eigentlich heute schon ein Ritt auf der Rasierklinge, mit XP ins Internet zu gehen. Wenn der Browser mit Adminrechten läuft, kann ich mir ein Antivirenprogramm eigentlich gleich sparen. Ob es nicht vorhanden ist oder ob es beim Aufruf einer kompromittierten Seite automatisch abgeschaltet wird, macht keinen wirklichen Unterschied.

Darum nichts wie weg mit XP, besser heute als morgen!

Immer wieder höre ich von den Kosten, die ein Umstieg in Firmen mit sich bringt. Ja, das stimmt – dass der Betrieb einer Firma Geld kostet, hab ich auch schon mal gehört. Noch mehr kostet es allerdings, wenn der Betrieb ausfällt.
Wenn der KFZ-Meister einen Schraubenschlüssel kauft, dann ist der irgendwann abgenutzt und er muss sich einen neuen kaufen, wenn er weiter Autos reparieren will. Der Maler braucht hin und wieder neue Pinsel, und auch ein PC bzw. dessen Betriebssystem ist irgendwann abgenutzt und muss erneuert werden. So ist eben der Lauf der Dinge, von daher taugt der Verweis auf die Kosten für mich in keiner Weise als Grund, an XP festzuhalten. Wenn XP im April 2014 ausläuft, wird es über zwölf Jahre auf dem Buckel haben. Sucht mal in Firmen nach Anschaffungen im Bereich einer XP-Lizenz, die so lange von Nutzen sind…nein, die Kosten sind kein Grund, bestenfalls eine billige Ausrede.

Ich habe einen Bekannten, der ist über 80 Jahre alt und hat einen fast zehn Jahre alten Rechner mit Windows XP. Er wird ihn so lange nutzen, bis entweder er oder der PC den Löffel abgibt, einen neuen will er nicht mehr – sagt er zumindest heute. Wenn die Kiste morgen kaputt geht, wird er seine Meinung bestimmt schnell ändern, da bin ich ganz sicher.
Wie dem auch sei – ER darf mit meinem Verständnis rechnen – da ist er aber auch der Einzige.
Allen anderen, hartnäckig an antiker Technologie festhaltenden Menschen empfehle ich: Macht keine halben Sachen, was wollt Ihr mit XP? Kauft Euch eine Steintafel!

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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