Home Office: Erfahrungen durch die Agoraphobie, Teil 3

Home Office: Erfahrungen durch die Agoraphobie, Teil 3

Mittlerweile sind wir fast im November angekommen und die Coronakrise hat die Welt immer noch fest im Griff. Die Situation ist nicht nur eine ökonomische und medizinische Herausforderung, auch Menschen mit einer psychischen oder seelischen Erkrankung werden von den Beschränkungen im Alltag, auch wenn sie zum Schutz der Allgemeinheit notwendig und gerechtfertigt sind, vor neue Probleme gestellt, die gemeistert werden wollen. Entsprechend braucht es Strategien, wie man mit der Lage bestmöglich umgehen kann.

Das Ganze trifft auch auf mich zu und ich hatte euch in zwei Beiträgen im März und April bereits dabei mitgenommen, wie ich mit der Situation umgehe und welche Maßnahmen ich ergreifen wollte. Nun ist mehr als ein halbes Jahr ins Land gezogen und es stellt sich zunehmend die Frage, wie die Maßnahmen auch aufgrund der Tatsache, dass auch 2021 sicherlich ein Pandemie-Jahr wird, langfristig stabilisiert werden können. Mit diesem Beitrag möchte ich euch mal ein Update geben, welche Überlegungen bei mir derzeit so laufen.

Nachrichten

Im Zeitraum der ersten Welle war die riesige Nachrichtenflut zum Coronavirus mit Abstand die größte Herausforderung, um die Gedankenspirale im Zaun zu halten. Ständige Sondersendungen, Newsticker und Liveblogs, das waren nur einige der Dinge aus dem Frühjahr, die mit ihrer massiven Präsenz für mich irgendwann auch eine Grenze überschritten haben. In der Folge hatte ich vor allem mit Akutmaßnahmen reagiert und gerade den Nachrichtenkonsum deutlich runtergefahren. Mittlerweile bin ich in den meisten Punkten aber schlauer.

Vor allem hat sich gezeigt, dass besonders RSS in Kombination mit klaren Regeln zur Steuerung der Nachrichten gut geholfen hat. Entsprechend ist auch der Plan, dass das Ganze mit einer plattformübergreifenden Umsetzung verstetigt wird und im Gegenzug die sozialen Medien und da besonders die noch vorhandenen Integrationen in den Messengern zurückgestellt werden. Momentan läuft das Ganze noch mit lokalen Anwendungen unter Android und Windows 10, bis Weihnachten will ich aber entscheiden, ob ein Dienst wie Feedly oder doch eine selbstgehostete Lösung wie Nextcloud News der richtige Weg ist.

Der wichtigste Punkt ist immer noch, dass Algorithmen nach Möglichkeit außenvor bleiben. Ansonsten verzichte ich schon bis auf Microsoft News und Pocket auf eigenständige Aggregatoren und dergleichen, außerdem habe ich über die vergangenen Monate auch mehr der Reste des linearen Fernsehens in die Mediatheken und damit das Streaming verlagert. So gehe ich den möglichen Sondersendungen etc. gezielt aus dem Weg.

Struktur und Organisation

Während der vergangenen Monate hat es in einigen Bereichen größere Reorganisationen geben. Einen kleinen Teil davon habt ihr in Form des neuen Entwicklerbereichs auch schon mitbekommen, der bei uns hier bald gilt und auch schon länger in Planung war. Neben diversen Sachen für Dr. Windows hat das auch mit neuen Plänen und Projekten zu tun, die ich im kommenden Jahr angehen möchte. Schon jetzt versuche ich aber eine klarere Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit hinzukriegen, um auch genug Zeit und Abstand zu kriegen und wieder Kräfte tanken zu können.

Im Bereich der Software war der Wechsel von Google Chrome zu Microsoft Edge als Standardbrowser die größte Veränderung. Einerseits gefällt mir Edge einfach deutlich besser, vor allem baue ich damit aber Barrieren ab, weil ich naturgemäß im Microsoft-Ökosystem zu Hause bin. Davon abgesehen war es auch mein Ziel, die Fragmentierung bei meinen Browsern wieder deutlich zu reduzieren. Vorher bin ich je nach Aufgabe immer wieder zwischen Chrome, Edge, Firefox und Vivaldi hin und her gesprungen. Mittlerweile habe ich Edge so eingerichtet, dass der absolute Großteil der Arbeit wieder in einem Browser erledigt wird.

Den Focus Mode von Microsoft Word, den ich für größere Beiträge nutzen wollte, kommt bisher noch gelegentlich zum Einsatz, weil andere Vorhaben wie das kreative Schreiben der Planung noch hinterher hinken. Andere Tests wie etwa mit der Pomodoro-Technik waren dagegen ein Reinfall. Ich bin einfach nicht der Mensch, der mit so strikten Intervallen bei Arbeiten und Pausen klarkommt, entsprechend gehe ich das hier etwas lockerer an.

Mentale Gesundheit

Während die Erfahrungen der ersten Monate jetzt auch in dauerhafte Maßnahmen umgewandelt werden, liegt die eigentliche Herausforderung für mich an einer anderen Stelle. Das neue Coronavirus wird uns mindestens noch ein bis anderthalb weitere Jahre beschäftigen und selbst mit zunehmenden Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele Wissenschaftler, die eine endemische Entwicklung vorhersagen und wir genau wie bei der Grippe lernen müssten, mit dem Virus zu leben. Zudem kann es bis zum Ende der Pandemie immer noch zu weiteren Wellen kommen, auch die Spanische Grippe vor gut 100 Jahren kam mit drei großen Wellen in zwei Jahren daher.

Letztlich haben die Auswirkungen dafür gesorgt, dass Vieles von dem, was ich mir wegen meiner Phobie in diesem Jahr vorgenommen hatte, ins Wasser gefallen ist. Damit das im kommenden Jahr besser wird, müssen also Strategien her, die einerseits wieder ein gewisses Maß an Sicherheit, Stabilität und Kontinuität bieten und gleichzeitig nach Möglichkeit auch einem neuen Lockdown standhalten, sofern wir auch noch eine dritte oder vierte Infektionswelle bekommen. Genau hier liegt die Herausforderung.

Die Corona-Warn-App benutze ich zwar auch, aber da die Agoraphobie aufgrund der Charakteristik der Krankheit und ihrer Schwere bei mir meinen Bewegungsradius sehr stark einschränkt, habe ich eh schon naturgemäß „krankheitsbedingte Kontaktbeschränkungen“ und entsprechend ist die App für mich aktuell nicht ganz so nützlich oder relevant. Sie ist ein Puzzleteil, wenn ich draußen wieder mehr trainieren möchte, mehr kann sie in meiner konkreten Situation aber derzeit auch nicht sein.

2021

Die Minimalziele für das kommende Jahr sind, einerseits auf digitalem Wege die Bereiche Weiterbildung und Fitness/Entspannung bestmöglich zu integrieren und zum anderen einen Instrumentenkasten zu bauen, der mir wieder ein regelmäßigeres Training gegen meine Krankheit draußen ermöglicht. Dass die Corona-Warn-App dann ein Teil des Instrumentenkastens sein wird, ist klar, aber auch andere Technologien wie RSS, um seriöse Informationen zu aktuellen Inzidenzen und aktuellen Entwicklungen in Deutschland und Schleswig-Holstein zu bekommen, sollen dann mit einfließen.

Daneben will ich auch die Strukturen weiter festigen, die mich vom Coronavirus in den vergangenen Monaten auch gut abgelenkt haben. Zum Teil hat das in den Bereichen Japan, Musik und Gaming schon ganz gut geklappt, aber andere Bereiche wie das kreative Schreiben hinken den Plänen momentan noch hinterher und ich denke auch über kleinere Sachen wie eine digitale Leseliste nach, um mal meine Bücher besser zu tracken und so auch ein Stück weit den Kopf wieder frei zu bekommen. Außerdem möchte ich gezielt kleinere Projekte umsetzen, darunter zum Beispiel einen Medienserver auf Basis von Jellyfin, um Musik im lokalen Netzwerk streamen zu können.

Manche Projekte wie das genannte sollen auch zu Content für Dr. Windows werden, wo ich euch dann ein bisschen mitnehmen will. Das hat nicht nur mit Inhalten für das Projekt hier zu tun, sondern das hilft mir auch als zusätzliche Beschäftigung. Abgesehen davon möchte ich im neuen Jahr auch noch ein neues, eigenes Projekt starten, was nichts mit Dr. Windows zu tun hat.

Schlusswort

Funktioniert das alles so, wie ich mir das vorstelle, sollte ich trotz der Pandemie meine eigenen Ziele und Vorhaben im kommenden Jahr trotzdem relativ normal weiter verfolgen und umsetzen können. Fakt ist aber auch, dass die Coronakrise eine Herausforderung bleibt und ich in den kommenden Monaten immer mal wieder Anpassungen vornehmen muss, wenn ein neuer Lockdown oder ähnliches auftritt. Letztlich hoffe ich aber auch, dass manche Maßnahmen auch über die Coronakrise hinaus wirken und ich dann sogar deutlich stärker aus der Pandemie herauskomme, was den Umgang mit meiner Phobie anbelangt.

Ich werde in den kommenden Monaten auch wieder regelmäßiger über dieses Thema bloggen und wenn ihr gewisse Fragen habt, könnt ihr sie natürlich weiterhin in den Kommentaren stellen. Was die Agoraphobie genau ist, hatte ich in den früheren Beiträgen schon mal geschrieben, ich verlinke unter dem Beitrag aber nochmal ein Video der Stiftung Gesundheitswissen, welches das sehr gut erklärt.

Über den Autor
Kevin Kozuszek
  • Kevin Kozuszek auf Twitter
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

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Kommentare

  1. Hut ab vor so viel Offenheit über Deine Krankheit. Ich lese Deine Beiträge mit sehr viel Interesse. Was mich noch interessieren würde, und erlaube mir die Frage: Wie geht Dein persönliches Umfeld mit Deiner Krankheit um ?
    Beste Grüsse
    Remo
    Die Situation ist nicht nur eine ökonomische und medizinische Herausforderung, auch Menschen mit einer psychischen oder seelischen Erkrankung

    Ich hatte diese Woche ein Gespräch mit einem Sozialarbeiter in Berlin.
    Er meinte, dass in Berlin mehr mumifizierte Leichen aus Wohnungen getragen werden, als die Jahre zuvor.
    Das Problem ist, dass nicht unwesentlich viele sich in Ihrer Wohnung verschanzen und Suizid begehen.
    Dieses Problem wird von Behörden zwar erkannt und kommuniziert, aber die Politik ignoriert die Tatsache, dass vermutlich mehr Menschen aktuell den Freitod wählen, als das Virus bis jetzt gefordert hat. Das ist ein riesiges Problem, wenn irgendwann mal alle Fakten offen liegen und man feststellen muss, dass durch die Gegenmaßnahmen mehr Todesopfer zu beklagen sind.
    Fakt ist, das in Berlin die Wirtschaft massiv ausgebremst wird. Es machen immer mehr Firmen dicht (pleite) Einige überleben durch die Fördermittel mehr schlecht als recht und der Todesstoß wird auch bald kommen. Die Arbeitsämter können noch kaum die Massen abarbeiten, die sich arbeitslos melden müssen. Die Krankenkassen ächzen unter die Masse an Krankengeldstellern...
    In diesen Punkt muss ich leider den aktuellen US-Präsidenten recht geben: Wir haben Krieg und der Feind heißt Corona.
    Jeder, der einmal "gedient" hat, weiß was das bedeutet!
    Genau deshalb darf Trump das so nicht sagen - Fahnenflüchtige wissen das nämlich nicht. Aber gut, es wäre das erste Thema, bei dem er weiß, wovon er spricht. Aber lasst uns bitte hier keine allgemeine Corona-Diskussion anfangen, sondern beim Thema bleiben.
    Ich musste an mir selbst feststellen, dass es mich ebenfalls stärker belastet, als ich mir das eingestehen wollte - und ich war bislang weder direkt noch indirekt betroffen, auch mein wirtschaftlicher Schaden hält sich mehr als in Grenzen, ich muss also nur das aushalten, was das Thema so ganz allgemein mit sich bringt.
    Dass Menschen, die ohnehin schon psychisch angeschlagen sind, überdurchschnittlich stärker belastet werden, glaube ich sofort. Dass es mehr durch Corona verursachte Selbstmorde gibt als durch die Krankheit selbst, halte ich allerdings für eine gewagte und kaum haltbare Aussage. Ich hab neulich sogar gelesen, dass kein allgemeiner Anstieg der Suizide zu verzeichnen wäre, aber ich hab mir leider die Quelle nicht gemerkt und ehrlich gesagt auch nur die Headline gelesen.
    Das Trump jemals mal was nützliches gesagt hat halte ich für eine gewagte These, ich weis aber das Emmanuel Macron zu beginn der Corona Krise so etwas ähnliches gesagt hat.
    Im Endeffekt ist es aber auch egal die Leute erzählen viel wenn der Tag lang ist und am nächsten Tag was anderes.
    Ich kann das sehr gut nachvollziehen das Menschen mit psychischen oder seelischen Problemen in der Corona Krise noch vor größeren Herausforderungen stehen als als vor der Pandemie, ich bin kaum mehr in den Sozialen Medien vertreten weil mir diese ganzen Nachrichten allmählich gewaltig auf den Sack gehen, sehe, lese und höre auch kaum noch Nachrichten. Ich gehe ein bis zwei mal die Woche Einkaufen das ist ein Notwendiges übel was ich kauf nehmen muss, ansonsten gehen mir die meisten Leute mit ihren Problemen irgendwie auf den Sack, außer mit meiner Mutter die ich immer Sonntags besuche und über Discord und Herr der Ringe Online habe ich eigentlich kaum noch Soziale Kontakte.
    Ich glaube die Vereinsamung der ganzen Single Haushalte ist das größte Problem in der Pandemie.
    Ach übrigens der Hauptstadtflughafen BER eröffnet am Samstag aber keiner geht hin! Der Betreiber verzichtet aber lieber auf eine Eröffnungsfeier, besser ist dass.
    FenderBaba
    Was mich noch interessieren würde, und erlaube mir die Frage: Wie geht Dein persönliches Umfeld mit Deiner Krankheit um?

    Das kommt darauf an, ob mich die Personen schon länger kennen und ob sie auch mit der Agoraphobie als Begriff etwas anfangen können. Die meisten Menschen haben den Begriff der Platzangst ja irgendwo mal aufgeschnappt, aber sie wissen noch lange nicht, was eine ausgewachsene Agoraphobie wirklich bedeuten kann, und meistens verwechseln sie das auch noch mit der Klaustrophobie, was auf Deutsch die Raumangst ist und das genaue Gegenteil der Agoraphobie markiert. Bei mir kommt dann noch hinzu, dass es eine Agoraphobie mit Panikstörung ist (die schwerste Form, die eine Agoraphobie annehmen kann) und ich obendrein auch noch eine schüchterne und eher introvertierte Persönlichkeit bin. Ich bin von Natur aus ein eher leiser Mensch und reflektiere auch viel stärker, was ich wie am Besten angehen kann.
    Menschen, die mir wirklich nahe stehen, sehen das auch eher gelassen und unterstützen mich da. Die wissen auch, dass hinter dem Menschen, der eben diese seelische Behinderung hat, auch jemand steht, der die japanische Popkultur mit Anime und allem drumm herum liebt, der gerne kreativ ist, der elektronische Musik mag, der BVB-Fan ist, der gerne auch noch seinen Motorradführerschein machen würde, wenn es die Phobie mal zulassen wird, und so weiter. Genauso merkt man aber auch, dass viele damit nichts anfangen können. Das liegt aber auch daran, dass die Agoraphobie für sie einfach nicht so greifbar ist. Andere Krankheiten wie Asthma oder Tourette haben offensichtliche Merkmale, die man oft genug im Alltag sieht. Die Agoraphobie zeigt sich erst dann, wenn eine Situation sie triggert und die Symptome auslöst. Ansonsten verhalte ich mich ganz normal, wie jeder andere Mensch auch.
    Der Umgang mit der Agoraphobie ist nicht immer einfach. Rechtlich ist es, was die Unterstützung angeht, nach Deutschem Recht unheimlich kompliziert, weil da mit dem Sozialrecht, dem Betreuungsrecht sowie dem Behinderten- und Teilhaberecht ganz unterschiedliche Rechtsbereiche zusammenkommen. Außerdem merkt man bei fremden Menschen, die einem quasi nur im Vorbeigehen sehen, manchmal die Stigmata an. Für mich sind Berichte wie dieser hier immer ganz erhellend, aber ich kenne das auch bei mir, dass die Leute mit dem andersartigen Verhalten von mir, wenn ich einen Ausbruch hatte, nicht gut klar kamen oder ich dann schonmal das Mädchen oder die Memme war, wenn es mal besonders schlimm war und ich dann auch einen Weinkrampf hatte, der mich dann ausgelaugt hat. Kein schönes Gefühl, und wenn man bedenkt, dass der Anteil an männlichen Betroffenen bei der Agoraphobie nur zwischen einem Viertel und einem Drittel beträgt... es passt bei Vielen halt nicht ins Bild, dass auch Männer/Jungen mal laut Emotionen zeigen.
    Was die Arbeit bei Dr. Windows betrifft, merken das die anderen im Team übrigens auch. Wie ich damals im Dezember 2015 den ersten Gastartikel hier veröffentlicht hatte, war das für mich schon eine Überwindung, weil ich keinen Plan hatte, wie die Leute reagieren. Im Oktober/November 2016 gabs dann erst ein Gespräch mit Don, anschließend hat Martin mich Ende November 2016 ins Team geholt (am 29.11. sind es dann 4 Jahre). Es ist heute noch so, dass ich bei Teamkonferenzen, die wir zwischen durch machen, zurückhaltend bin. Wir hatten 2017 eine, da war ich erst skeptisch und wollte nicht, dann gabs Zuspruch von Maik und einigen anderen und da war ich dann doch sogar mit Stimme dabei. Mittlerweile machen wir die Teamkonferenzen monatlich und da bin ich bei Microsoft Teams immer mit dem Ohr dabei und schreib meistens was in den Chat, wenn ich was wissen oder anmerken will. Für mich ist das momentan ein guter Kompromiss und die anderen gehen damit echt cool um. Auch ein Grund, wieso mir das Projekt hier immer noch so viel Spaß macht. :)
    Meine Erfahrung:
    Vermutlich tendieren die stillen, ruhigen, introvertierten und (hoch)sensibleren dazu viel zu denken, grübeln.
    mE landen die dann in Jobs als Software-Entwickler, techniklastigen Berufen mit weniger Kontakt zu Menschen.
    Habe auch 10.000e Stunden vor Computer verbracht, ist auf Dauer nicht gesund für Körper, Geist und Psyche.
    Viel Bildschirmarbeit, Büro mit künstlichem Licht, wenig Bewegung und schlechte Belüftung ist nicht unbedingt das Umfeld das uns Menschen gut tut.
    Ich habe gelernt, dass Bewegung in der Natur, Sonnenlicht (Vitamin D), fliessendes Wasser, Bäume (Terpene) uns gut tut.
    Wir sind Kinder der NATUR.
    Schicke dir per PN einen link auf Blog von mir, findest viel passendes...
    Agoraphobie, also "Platzangst" habe ich nicht.
    Dafür kämpfe ich seit 2014 mit Panikattacken, Depressionen sowie sozialer Phobie und Zwängen.
    Damals, also 2014-2015, war ich wochenlang in teilstationärer Psychotherapie. Das hat mir wortwörtlich das Leben gerettet (ich konnte kaum das Haus verlassen).
    Heute arbeite ich wieder Vollzeit und habe ein einigermaßen geregeltes Leben.
    Ich hoffe alle Betroffenen kommen gut durch diese schlimme Zeit, finden Hilfe und Unterstützung.
    Auch dir Kevin wünsche ich alles Gute.
    Dr. Cortana
    Meine Erfahrung:
    Vermutlich tendieren die stillen, ruhigen, introvertierten und (hoch)sensibleren dazu viel zu denken, grübeln.
    Ich habe gelernt, dass Bewegung in der Natur, Sonnenlicht (Vitamin D), fliessendes Wasser, Bäume (Terpene) uns gut tut.
    Wir sind Kinder der NATUR.

    Introversion hat sicherlich viel mit den genannten Eigenschaften zu tun und ich gebe auch offen zu, dass ich eben sehr stark reflektiere und dafür auch gerne draußen in der Natur bin. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Digitalisierung sich negativ auswirken muss, sondern es geht um Qualität vor Quantität, die richtige Balance und - vor allem - wie man die digitalen Mittel einsetzt.
    Ich habe mit der Zeit eine gute Resilienz entwickelt, was die Arbeit und Aktivität in der digitalen Welt angeht. Musste ich irgendwo ja auch, denn einerseits Mitglied der Microsoft-Community zu sein und sich andererseits verstärkt im Umfeld von Linux und freier Software zu bewegen, wie ich das über viele Jahre gemacht habe, ist für die Leute dort ein Widerspruch in sich und ich habe mit der Zeit auch schon ordentlich Keile aus der Ecke kassiert, auch nach Beiträgen auf dem Blog hier. Mittlerweile sind mir solche Aussagen aber wirklich egal. Das Wertvolle an der Zeit, wovon ich heute immer noch profitiere, ist das Wissen, was ich über Linux etc. angeeignet habe und heute ja trotzdem immer noch ausbaue. Das Wissen nutze ich gerade auch, um die Folgen der Coronakrise für mich zu mildern, weswegen ja RSS z.B. im großen Stil ausgebaut werden soll.
    Am Ende ist alles eine Frage der Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Ich habe auch meine Werte, nach denen ich lebe, und meine Hobbies und Charaktereigenschaften, die mir Spaß machen und mich ausmachen. Die Kunst ist noch eher, die Introversion mit der Agoraphobie in Einklang zu bringen und nach den Möglichkeiten, die mir die Phobie derzeit erlaubt (der Kampf dagegen ist ein Marathon und kein Sprint), mein Leben so gut und so schön wie möglich zu gestalten. Momentan komme ich mir da eher vor wie bei einem Boxkampf im Schwergewicht: Corona ist in der einen Ringecke, die Agoraphobie in der anderen und ich sitze als Ringrichter genau dazwischen und muss Wege finden, trotzdem so viel Normalität, Struktur und Stabilität wie möglich zu erhalten und auch die weiteren Pläne, um die Auswirkungen der Phobie abzumildern, nicht zu gefährden. Keine leichte Sache, aber ich bin da für nächstes Jahr guter Dinge.
    Agoraphobie, also "Platzangst" habe ich nicht.
    Dafür kämpfe ich seit 2014 mit Panikattacken, Depressionen sowie sozialer Phobie und Zwängen.

    Kenne ich auch. Meine Phobie begleitet mich jetzt über 27 Jahre (bin 33 Jahre alt, die Agoraphobie hat sich um das 6. Lebensjahr herum ausgebildet) und während dieser Zeit habe ich viele Menschen kennenlernen dürfen, die auf ihre Art ein Handicap mit sich rumtragen. Neben Depressionen und sozialen Phobien waren da auch Sachen wie das Asperger-Syndrom dabei. Teilweise sind da sehr gute Freundschaften draus geworden.
    Behandlungen von Agoraphobien sind nicht einfach. Mittel der Wahl ist da ja die kognitive Verhaltenstherapie und da vor allem die Konfrontationstherapie, entweder langsam (Desensibilisierung) oder volle Granate (Flooding). Letzteres hat bei mir dazu geführt, dass die Phobie noch stärker wurde, es geht also ohnehin nur über die Desensibilisierung bei mir. Und selbst wenn man das Ganze (teil-)stationär angehen würde, lernt man vielleicht, ein Feld, eine Halle und einen Parkplatz wieder zu betreten, aber eben nicht DAS Feld, DIE Halle oder DEN Parkplatz, der einmal einen Schub ausgelöst hat. Man muss es schon ganzheitlich denken und Techniken, Methoden und Verfahren lernen, wie man die Kontrolle über die Phobie erlangt und behält.
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