Surface Studio 1: Wie man das Rapid-Hybrid-Drive auflöst und Windows 10 auf SSD installiert

Surface Studio 1: Wie man das Rapid-Hybrid-Drive auflöst und Windows 10 auf SSD installiert

Ein Gastartikel von Stephan Romhart

Intro

Seit über drei Jahren ist das Surface Studio 1 mein Begleiter in der Agentur, mindestens 8 Stunden am Tag. Wie ich in meinem Review von 2018 bereits zusammengefasst habe: „Microsoft hat mit dem Studio den Kreativen ein Werkzeug in die Hand gegeben, das seinesgleichen sucht.“ Damals hat mich aber schon das Rapid-Hybrid-Drive aufgeregt, da es unnötigerweise den Rechner total ausbremst.

Die Entscheidung, ein 5.000 € Gerät mit dieser Schrott-Software auszuliefern, ist Microsoft nicht zu verzeihen. Noch viel schlimmer: Man kann sie nicht ohne Aufwand abschalten. Ich verstehe, dass Microsoft mit 2 TB-Speicherplatz werben wollten. Aber ganz ehrlich: Wer ernsthaft mit dem Studio arbeitet, hat einen File-Server. Ich zumindest brauche die lokale Speicher-Kapazität nicht.

Dieser Artikel beschreibt meine einjährige Odyssee, das Rapid-Hybrid-Drive meines Studios aufzulösen und Windows 10 auf der SSD zu installieren. Eins vorweg: der Performance-Boost ist enorm.

Rapid-Hybrid-Drive – was ist das?

Kurz zur Erklärung: Ein Rapid-Hybrid-Drive ist ein Festplatten-Verbund (Software-Raid), bei dem versucht wird mittels SSD-Caching eine langsame HDD etwas schneller zu machen. Verbrochen hat das Intel.

Ausgangslage

Die Informationslage ist insgesamt dünn. Microsoft gibt null Informationen, wie das Software-Raid von Intel funktioniert. Ich habe einige Quellen ergoogelt, die beschreiben, wie man die Festplatten ausbaut, ersetzt und dann neu bespielt. Nachdem ich mir z.B. die Anleitung von Cesare de la Torre angeschaut habe, bin ich zum Schluss gekommen: das mache ich nicht.

Ich habe mich dann auf der Intel-Seite zu RST (Rapid-Storage-Technologie) eingelesen und einfach mal die zugehörige aktuelle Software auf dem Studio installiert. Das hat nicht geklappt. Ich bekam diverse Fehlermeldungen und konnte auch nicht in das Software-Raid eingreifen. Auch googlen hat mich nicht weitergebracht.

Intel RST Webseite

Angenervt habe ich das Thema Surface-Studio-SSD-Update erstmal bei Seite gelegt. Durch einen Zufall bin ich später aber auf einen Beitrag im WindowsCentral-Forum gestoßen, bei dem jemand gepostet hat, dass eine bestimmte Version von 2015 des Intel-RST auf dem Surface Studio 1 installiert werden muss: 14.5.0.1081

https://downloadcenter.intel.com/de/download/24501/RAID-Intel-Rapid-Storage-Technology-for-D54250WY-D34010WY

Also habe ich diese Version installiert. Doch bei der Installation kommt bereits die Warnung: „Wollen Sie wirklich den aktuellen Treiber mit dem veralteten Treiber ersetzen?“ Wenn man hier „ja“ klickt und dann neu startet, spinnt das Dateisystem extrem und das Studio wird bis zur Unbenutzbarkeit langsam. Um dies zu verhindern, muss eine temporäre Windows-Installation gemacht werden.

Wichtiger Hinweis

Die folgenden Schritte führt man auf jeden Fall auf eigenes Risiko durch. Microsoft wird da keinen Support geben. Und ich kann nur von den i7-Modellen sprechen, ich habe keine Ahnung, ob das Update auch mit den i5-Modellen funktioniert.

Schritt 1: Software-Raid auflösen

Zu Beginn habe ich ein Daten-Backup des Rechners erstellt. Um die Intel-RST-Software zum Laufen zu bekommen, habe ich mit einem USB-Stick, der per Media-Creation-Tool eine Windows-10-Installation machen kann, die bestehenden Partitionen platt gemacht und Windows 10 temporär installiert.

Ich habe dann einen lokalen User angelegt und nur die Intel-RST-Software installiert. Diesmal kam keine Warnung und ich hatte Vollzugriff auf das Software-Raid. Das Interface der Software ist selbsterklärend, man muss einfach die „Acceleration“ auf disabled stellen.

Intel Rapid Storage Software

Des Weiteren soll auch „Link Power Management“ deaktiviert werden.

Intel Rapid Storage Software

Schritt 2: Recovery-Iso aufspielen

Ich war schon happy und dachte: „Jetzt ist es nur noch ein Kinderspiel.“ Von wegen.

Ich hatte ja bereits den Windows-10-Stick erstellt, also habe ich über den „Erweiterten Start“ erneut vom Stick gebootet und siehe da, bei den Partitionen erscheint nun die SSD.

Windows Setup

Die Installation hat 22 Minuten gedauert und ich bin in Windows 10 Version 2004 gestartet.

Doch, oh weh, die Farbprofile waren kaputt.

Fehlende Farbprofile in Windows 10

Im Actioncenter war der Farbprofil-Button ausgegraut. Ohne Profil sind die Farben im Agentur-Umfeld nicht zu gebrauchen. Man erblindet beinahe bei bunten Farbflächen. Zum Arbeiten brauche ich das bei der Auslieferung enthaltene sRGB-Profil.

Ich installierte erstmal die neusten verfügbaren Surface-Studio-Treiber (https://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=54311 ). Das hat leider nicht geholfen, der Button blieb ausgegraut.

Über Google habe ich dann wieder versucht Antworten zu finden. Leider – in diesem Special-Interest-Bereich – null Treffer. Microsoft steht mit ICC-Farbprofilen eh auf Kriegsfuß. Auch keiner von den Wenigen, die das Studio-SSD-Update dokumentiert hatten, erwähnten das Farbprofil-Thema.

Ein paar Tage später erinnerte ich mich, dass ich bereits 2019 mit Microsoft zu dem Thema Kontakt hatte. Im Microsoft Answers-Forum gab man mir die Standard-Antwort, dass ich mal das Recovery-Iso versuchen sollte. Und das klappte.

Allerdings wird das neueste Recovery-Iso von Microsoft für das Surface Studio 1 mit der Windows-Version 1803 bereitgestellt (https://support.microsoft.com/de-de/surfacerecoveryimage ). OMG.

Schritt 3: Updaten

Zähneknirschend erstellte ich das USB-Wiederherstellungslaufwerk und durchlief die Installationsprozedur erneut. Allerdings dauerte das Recovery auf 1803 auf der eigentlich schnellen SSD anderthalb Stunden.

Danach installierte ich dann den Update-Assistent, um möglichst schnell auf 2004 zu kommen. Das Update dauerte über vier Stunden. Vier Stunden. WTF.

Stephan

Fazit

Bislang läuft das Studio einwandfrei. Es ist nun deutlich schneller, und man merkt dem Rechner sein technisches Alter (i7 der 6. Generation) nicht mehr an.

Ich bin ein Microsoft-Enthusiast. Nicht, weil mich das Unternehmen oder sein CEO begeistern. Einige innovativen Surface-Produkte unterstützen einfach meinen Workflow. Meine Werbeagentur kreisform ist eine der wenigen Kreativ-Agenturen, die erfolgreich komplett ohne Apple arbeiten.

Ganz ehrlich Microsoft, hier bin ich an der Grenze des Ertragbaren. Macht Eure Produkte nachhaltiger. Es hat mich viel Zeit gekostet, das Surface Studio so zu verbessern, dass es auch 2020 noch Sinn macht. Das sollte so nicht sein.

Weiterführende Links:

 

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Kommentare

  1. So einen Schwachsinn hat der Dell Aurora R8 anfangs im Auslieferungszustand auch, hab keine Ahnung wer sich den Unsinn erdacht hat die Festplatte 1TB bremste die M.2 SSD aus.
    Die Installation von Windows ist ein bisschen Tricky, aber wenn man sich davon nicht einschüchtern lässt geht alles.
    Möglich @stephanromhart, die Rot Pulsierende Kiste steht seit 2 Jahren bei meinem Chef unterm Schreibtisch und ich bin schon seit Wochen wegen Coro... Scheiße nicht mehr in der Firma gewesen.
    Kann mich nur entsinnen das es wegen dem UEFI Boot Probleme während der Installation gab hab dann ein bisschen herum gemurkst bis es gefunzt hat.
    Ich fand den Kauf von dem Dell Aurora sowieso Idiotisch aber Chefs haben dazu eh eine andere Meinung.
    Ich habe mein Studio 1 vor ein paar Wochen einmal zurück gesetzt. Jetzt rennt er auch erstmal wieder. Die Methode ist interessant, ich werde das aber bei meinem nicht machen. Ich hoffe das es mit den Studios weiter geht, es ist nach wie vor ein Hingucker und der Monitor mit dem Farbmanagment wirklich sehr gut, für meine Fotoarbeiten.
    Ich kann dich voll verstehen, das Ssd-Update ist mega umständlich. Wenn ich halt z. B. Photoshop, Illustrator, Indesign, VS Code, WinSCP und Firefox auf habe und dann noch ein komplexes PDF in Acrobat untersuche, ist der Performance-Boost mehr als deutlich spürbar. Die HDD hat mich bereits an Tag 1 der Benutzung gebremst. ����
    Interessanter Artikel und gute Ausführung. :daumen+
    Den Blog Artikel von Cesar de la Torre hatte ich damals schon mal gelesen, als dieser noch auf den Microsoft Servern lag.
    Mangels Studio 1 ist so ein Umbau zwar nicht relevant für mich aber ich hätte ihn bestimmt gemacht. :lol
    Schade das Du deine Anfrage bezüglich den ICC Profilen, ich darf doch Du schreiben?, nicht im Forum geschrieben hast.
    Die Profile hätte man aus dem Recovery Image extrahieren können, zusammen mit den OEM Informationen die im Image enthalten sind.
    Dann hättest Du nicht erst das Recovery Image wiederherstellen müssen.
    Aber nun ist es ja egal.
    Freundliche Grüße und ein schönes Wochenende
    Hallo Tekkie Boy,
    danke für Deinen Kommentar! :-)
    Die Profile hätte man aus dem Recovery Image extrahieren können, zusammen mit den OEM Informationen die im Image enthalten sind. Dann hättest Du nicht erst das Recovery Image wiederherstellen müssen.

    Es wäre auf jeden Fall einen Versuch wert gewesen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass es nicht an den ICC-Profilen selbst liegt. Die konnte ich ohne Probleme in der Farbverwaltung laden. Die Studio-Farbprofile liegen, soweit ich mich erinnern kann, in windows/system32 im Root, nachdem man die Firmware- und Treiber installiert und neu gestartet hat. Man kann sie auswählen und zuweisen, es passiert aber (visuell) nichts.
    Meine Vermutung ist, dass, wenn man Windows von der Standard-ISO installiert, ein spezifischer Surface-Studio-Dienst fehlt, der beim Firmware- und Treiberpaket einfach nicht enthalten ist. Ich tippe auf "Surface Color Profile Service" und "Surface Color Profile Tracker".
    @Stephan
    Das einfache Kopieren der Dateien reicht nicht.
    Wobei ich gesehen habe, das die Farbprofile im Firmware Paket enthalten sind, nachdem ich das Paket händisch entpackt habe.
    Siehe Bild: Imgur: The magic of the Internet
    Wenn man den Surface Color Tracker Service mit Doppelklick startet, kann man die verschiedenen Profile wechseln.
    Und man sieht es dann auch, allerdings nur solange bis das Surface neu gestartet wird.
    Dann müsste man den Color Tracker erneut starten.
    Damit das aber von alleine passiert, muss man einfach nur die "color-profile-listener-task.xml", der im Firmware Paket enthalten ist, der Aufgabenplanung hinzufügen.
    Danach wird der Dienst von alleine nach dem Neustart gestartet.
    Warum der Task nicht automatisch in der Aufgabenplanung hinzugefügt wird, bei Installation des Firmware Paketes, bleibt Microsoft sein Geheimnis.
    :)
    Wow, das klingt logisch! Vielen Dank für die Info, das schaue ich mir genauer an ;-)
    Also doch das nächste Mal erst in Forum posten :smokin
    Dafür nicht.
    Ich bin hier im Forum nicht immer unterwegs, aber ich schaue immer wieder mal rein.
    Auch im Surface Forum. ;)
    @Stephan
    FYI:
    In der Aufgabenplanung, wird beim Original Image, ein Unterordner mit dem Namen Surface im Hauptordner Microsoft erstellt und darin ,die am 24.10.2020 genannte, Aufgabe mit dem Namen: Color Profile Listener Task.
    Hier ein Bild, wie ich das meine: https://i.imgur.com/EcC8C9z.png
    Das war aber nun alles zum Thema.
    Freundliche Grüße und alles Gute.
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