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Das Surface Go 2 im Test: Sinnvolle Evolution

Das Surface Go 2 im Test: Sinnvolle Evolution

Das erste Surface Go kam im Herbst 2018 als kleiner Bruder des Surface Pro auf den Markt und wurde erfolgreicher, als Microsoft das vielleicht selbst gehofft hatte. Nun ist das Surface Go 2 da, und ich sehe keinen Grund, warum es an den Erfolg des Vorgängers nicht anknüpfen sollte. Das ist die gute Nachricht. Einige Erwartungen an das Surface Go 2 haben sich im Test allerdings leider nicht erfüllt.

Ich könnte es mir einfach machen und fragen: Habt ihr mein Review zum Surface Go gelesen? Wenn nicht, tut es jetzt, wenn ja, lest es einfach nochmal – fertig. Ganz so ist es freilich nicht, dennoch möchte ich allen Lesern ans Herz legen, das „alte“ Review und die darin verlinkten Artikel für ein sauberes Gesamtbild zu lesen, denn was das Surface Go (2) ausmacht, ist weniger die verbaute Hardware, sondern der Formfaktor, und an diesem hat sich ja nichts geändert. In diesen Testbericht sind außerdem nicht nur meine Eindrücke eingeflossen, sondern auch die meines Kollegen Daniel Heithorn, der sich das Surface Go 2 gekauft hat. Ich bekam es von Microsoft leihweise zur Verfügung gestellt.

Surface Go 2 in Betrieb

Die Hardware

Das Surface Go 2 ist weiterhin das, was die erste Generation ausgezeichnet hat: Eine kleine Ausgabe des Surface Pro mit allen daraus resultierenden Vor- und Nachteilen. Das Gehäuse besteht aus der gleichen Magnesiumlegierung (VaporMg), die bei allen Surface-Geräten zum Einsatz kommt. Das sorgt für ein hochwertiges Look&Feel sowie für die gewohnte Robustheit. Der flexible Kickstand verzeiht auch eine gewaltsame Überdehnung, was ihn vor versehentlicher Beschädigung bewahrt. Mit 245 x 175 x 8,3 mm ensprechen die Abmessungen exakt dem Vorgängermodell.

Das Type Cover ist fast unverändert. Die einzige Neuerung ist ein kleiner Magnet am unteren rechten Rand neben dem Touchpad, der das Type Cover beim Zuklappen leicht am Tablet anhaften lässt. Für Daniel, der vom Surface 3 auf das Surface Go 2 umgestiegen ist, war der Sprung riesig, denn die Type Cover haben sich seither enorm weiterentwickelt. Im Gesamturteil sind wir uns einig: Das Tippgefühl auf dem Type Cover ist überragend, auf Dauer fühlt man sich wegen der kompakten Bauform aber dann doch eingeengt. Richtig lange Schreibsessions können auf dem Surface Go 2 also recht anstrengend werden.

Surface Go 2 Type Cover in Rot

Der Klang des Surface Go 2 ist durchaus zufriedenstellend, wenn man berücksichtigt, wie wenig Resonanzraum zur Verfügung steht. Die maximale Lautstärke dürfte gerne noch etwas kräftiger ausfallen.

Display

Das Display ist der größte Fortschritt beim Surface Go 2. Es wächst trotz identischer Außenmaße von 10 auf 10,5 Zoll, die Auflösung  steigt von 1.800 mal 1.200 auf jetzt 1920 x 1280 Pixel. Das hört sich nicht viel an, macht in der Praxis aber einen fühlbaren Unterschied. Gleichwohl muss ich zugeben, dass der gefühlte Effekt nicht ganz so groß ist, wie ich das erwartet hatte. Die angenehmste Wirkung der höheren Auflösung ist für mich, dass mit der 1920er Breite nun wesentlich seltener vertikale Scrollbalken auf Webseiten auftreten, die kein responsives Design haben.

Die Bildqualität ist gewohnt brillant, leider spiegelt es auch wie gewohnt. Kein Surface-Gerät lässt sich bei schönem Wetter im Freien sinnvoll nutzen, hier bildet das Surface Go 2 keine Ausnahme.

Performance

Der zweite wesentliche Unterschied beim Surface Go 2 außer dem größeren Display ist die neue CPU-Option. Statt mit dem Pentium Gold ist das Surface Go 2 nun auch mit einem Intel Core m3 zu haben. Ich habe viele vernichtende Kritiken über die Performance des Surface Go gelesen, die ich allesamt nicht nachvollziehen konnte. Vermutlich sind viele Reviewer in die Falle getappt, ihre eigenen Maßstäbe auf das Gerät anzulegen. Das sollte man nicht tun, sondern das Gerät nach seinem angedachten Einsatzzweck beurteilen. Seinen Job als ultramobiles Arbeitsgerät hat das Surface Go schon sehr gut gemacht.

Mit dem Intel Core m3 geht das Surface Go 2 zweifellos flotter zu Werke, wobei man allerdings anmerken muss, dass uns die Version mit dem neuen Pentium Gold nicht für einen Vergleich zur Verfügung stand. Ich möchte dennoch behaupten: Der Performancegewinn ist spürbar, aber nicht entscheidend. Ich würde sogar so weit gehen und sagen: Die 90 Euro Aufpreis für die Core m3-Variante kann man sich sparen. Die gefühlte Arbeitsgeschwindigkeit – und das ist das einzige Kriterium, welches für mich zählt, und nicht irgendwelche Benchmarks – ist nicht signifikant besser, als ich das vom ersten Surface Go noch in Erinnerung habe.

Surface Go 2 Seitenansicht

Akkulaufzeit

Bis zu 10 Stunden Akkulaufzeit verspricht Microsoft für das Surface Go 2, eine Stunde mehr als beim Surface Go, zudem nutzt Microsoft für die Ermittlung der Laufzeit inzwischen ein Verfahren, dass näher an der Realität liegen soll. In der Praxis kam ich beim ersten Surface Go auf etwa fünf Stunden, was sich auf Dauer dann doch negativer auswirkte, als ich das zu Anfang geglaubt hatte. Insofern erhoffte ich mir von der zweiten Generation eine signifikante Steigerung – und wurde leider enttäuscht.

Ob Arbeiten mit Office und Co. Surfen im Netz oder Video-Streaming – nach rund sechs Stunden muss das Surface Go 2 an die Steckdose. Dazu kommt, dass der „Modern Standby“ bisweilen für einen erhöhten Akkuverbrauch während der Nichtnutzung sorgen kann. Im schlimmsten Fall hat Daniel binnen zwei Stunden 30 Prozent Akkuverbrauch beobachtet, obwohl das Type Cover zugeklappt war. Das ist glücklicherweise nicht die Regel, ich blieb während meines Tests von solchen Effekten verschont. Im Zweifel ist es vielleicht besser, in den Energieoptionen den Ruhezustand als Aktion beim Zuklappen auszuwählen. Dann dauert es einen Moment länger, bis das Surface Go 2 wieder einsatzbereit ist, dafür verbraucht es aber so gut wie keine Energie.

Dank USB-C kann das Surface Go 2 wie schon sein Vorgänger über eine PowerBank aufgeladen werden, was den negativen Effekt der kurzen Akkulaufzeit ein wenig kompensiert. Es ist allerdings darauf zu achten, dass diese PowerDelivery unterstützt und mindestens 24 Watt liefert. Beim Kollegen Daniel hat das für einen Moment der Enttäuschung gesorgt, weil seine PowerBank diese Voraussetzungen nicht erfüllt und er sich somit eine neue anschaffen musste.

Windows 10 im S Modus

Das Surface Go 2 läuft mit Windows 10 im S Modus, kann also nur Anwendungen aus dem Microsoft Store installieren und jene, die Microsoft auf eine interne Whitelist gesetzt hat. Dazu gehören beispielsweise Microsoft Teams oder der neue Edge-Browser.

In meinen ersten Eindrücken zum Surface Go 2 schrieb ich: Ich werde mein Testgerät im S Modus belassen, aber machen wir uns nichts vor: Für beinahe jeden Nutzer wird es genau diese eine Anwendung geben, die er gerne nutzen möchte und die eben nicht im Store verfügbar ist. Die Bestätigung für diese These lieferte mir Kollege Daniel in weniger als 24 Stunden unfreiwillig. Er wollte auch im S Modus bleiben – bis er versuchte, die Sky Go App zu installieren, die es aber nicht mehr im Microsoft Store gibt und die nun von der Sky-Homepage heruntergeladen werden muss.

Ein echtes Problem stellt das nicht dar, denn der S Modus kann jederzeit kostenlos verlassen werden, eine Reaktivierung ist anschließend allerdings nicht möglich.

Fazit

Für das Fazit greife ich auf ein geklautes Zitat aus einem Artikel zurück, in dem ich beschrieb, wie das Surface Go meine Nutzungsgewohnheiten veränderte: Eine Woche mit dem Surface Go: Ein ganz neues Windows-Erlebnis (witzig: Am Ende des Beitrags habe ich das Surface Neo angeteasert, ohne zu diesem Zeitpunkt von dessen Existenz zu wissen):

Ist das Surface Go ein vollwertiger Windows-PC? Die Antwort ist: „Nein“. Ist es in der Lage, irgendein Windows-Gerät zu ersetzen? Die Antwort ist: „Nein“. Das Surface Go ist nichts, was du schon hast. Möglicherweise ist es auch nichts, was du haben willst. Vielleicht ist es aber genau das, was dir noch gefehlt hat.

Das Surface Go 2 ist ein Windows-Gerät wie kein anderes und hat alleine schon dadurch seine Daseinsberechtigung. Die Tatsache, dass die erste Generation das am dritthäufigsten verkaufte Surface-Gerät überhaupt ist, spricht für sich. Das Surface Go 2 liefert gute Gründe, warum das auch in Zukunft so bleiben kann. Der einzig echte Schwachpunkt bleibt die leider nach wie vor kurze Akkulaufzeit.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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