Am Puls von Microsoft

Cortana im Smart Home: Es fehlt das Geschäftsmodell

Cortana im Smart Home: Es fehlt das Geschäftsmodell

Anlässlich der CES wurde in den letzten Tagen viel über Microsofts digitale Assistentin Cortana gesprochen – und das, obwohl sie auf der Messe überhaupt nicht präsent war. Die vielen Meldungen rund um Amazons Alexa und den Google Assistant ließen aber zwangsläufig die Frage aufkommen: Moment mal, war da nicht noch wer?

Übereinstimmend wurde festgestellt – unter anderem auch von mir – dass Cortana niemals die Rolle spielen wird, die Google und Amazon gerade ausfüllen. In diesem Zusammenhang mutete es schon fast amüsant an, dass Microsoft in einem Blogpost die großen Fortschritte von Cortana feierte und neue Partnerschaften ankündigte, mit denen man unter anderem auch dort präsent sein möchte, wo Google Home oder Amazons Echo derzeit ihren Haupt-Anwendungsfall haben: Im Smart Home.

Ich mache mir weiterhin so meine Gedanken, welche Rolle Cortana in Zukunft spielen könnte. Verschwinden wird sie nicht, zumindest nicht technologisch, das hatte ich in meiner Analyse ja schon festgestellt – hinter ihr hängt der Microsoft Graph, das Herzstück aller KI-Funktionen, die sich in Zukunft durch alle Microsoft-Produkte ziehen werden.

Ich hatte eine Verknüpfung mit Amazons Alexa vorgeschlagen, aber vielleicht muss man einfach noch einen Schritt weiter denken. Nicht nur Amazon, Google und Microsoft arbeiten an digitalen Assistenten, da wären auch noch Samsungs Bixby und ein paar weitere Kandidaten, die sich noch in der Entwicklung befinden.

Vielleicht sollte man einen digitalen Assistenten unter Windows in Zukunft wie einen Browser installieren können. Dessen eigene Funktionen könnten dann durch Cortana ergänzt werden, die kein eigenes „Gesicht“ mehr hat, sondern universelle APIs zur Verfügung stellt. Ich bleibe bei meiner schon in der letzten Woche geäußerten Ansicht, dass dies keine Niederlage für Microsoft wäre, sondern eine Aufwertung für Windows 10 (oder sagen wir besser: keine weitere Niederlage. Dass sich Cortana jetzt in dieser schwachen Position befindet, ist natürlich sehr wohl eine Blamage). Und last but not least könnte es ja auch einfach so sein, dass wir in Zukunft mit mehreren Assistenten sprechen. Wer sagt denn, dass es einen Gewinner geben muss, der dann quasi ein Monopol hat? Das können wir als Verbraucher doch gar nicht wollen.

Cortana hat kein eigenes Geschäftsmodell

Der eigentliche Knackpunkt, warum Geräte wie der Harman Kardon Invoke keine nennenswerten Marktanteile erobern werden: Es gibt an dieser Stelle kein Geschäftsmodell für Microsoft. Amazon bindet mit dem Echo und Alexa die Kunden an sein eigenes Ökosystem. Je mehr Echos in den Haushalten stehen, desto mehr wird bei Amazon eingekauft. Googles Existenzgrundlage ist der Handel mit Daten zu Werbezwecken, und über den Assistant bekommen sie viele wertvolle Daten, die sich teuer verkaufen lassen.

Hinter Cortana aber steht nichts, was Microsoft unmittelbar zu mehr Umsatz verhilft. Im IoT-Bereich geht es Microsoft primär darum, mit seinen Cloud-Diensten präsent zu sein, und mit diesen lässt sich auch vortrefflich Geld verdienen. Was der Nutzer zu Hause stehen hat, ist in diesem Zusammenhang völlig unerheblich. Es gibt schon jetzt einige Unternehmen, die zwar Alexa-Integration als Frontend nutzen, bei den Cloud-Services aber auf Azure setzen. Wenn Microsoft aus der Konkurrenz mit Google und Amazon aussteigt, was früher oder später passieren wird, dann werden sie vermutlich genau das als Grund dafür nennen.

Nach wie vor kann ich deshalb nicht so richtig verstehen, warum Microsoft ausgerechnet während der CES ruft „Huhu, Cortana ist auch noch da, und sie wird voll durchstarten“. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass sie sich der aussichtslosen Lage nicht bewusst sind, daher denke ich, das war einfach nur ein taktischer Zwischenruf, um im Gespräch zu bleiben. Das hat ja auch tatsächlich funktioniert.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

Anzeige